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Es war einmal ein Herz. -
Das lebte in einem Verlies am Ende der Welt, vielleicht auch in der Mitte
oder auch am Anfang der Welt.
In seinem Gefängnis sah es nicht viel mehr, wie ein Stück des Himmels,
blau, wenn die Sonne schien, mit Wolken verhangen bei Regen, dunkel, wenn
es Nacht war. -
Hin und wieder erblickte es einen Stern, manchmal sogar den Mond, wenn er
günstig stand. Von der Sonne bekam es nur den Schein zu sehen und die Wärme
ihrer Strahlen zu spüren.
Nach und nach wuchs in diesem Herz die Sehnsucht nach mehr Sonnenstrahlen,
nach mehr Sonnenschein, ja es wollte den Ursprung dieser Strahlen, dieses
Scheins erblicken.
Lange Zeit überlegte es, welche Möglichkeit es wohl hätte, um dieses
ersehnte Ziel zu erreichen. - Irgendwann kam es auf die Idee, die Gitterstäbe
des einzigen Fensters auseinander-zu-drücken.
Ein großes Unterfangen für ein kleines Herz - möchte man meinen. - Doch
es begann die Idee in die Tat umzusetzen und schob sich mit seiner
Breitseite an die Gitterstäbe.
Oh Gott, wie kantig, dick und kalt waren diese.
Zum Glück schien die Sonne an diesem Tag und sie schickte einen besonders
langen, hellen und warmen Strahl zu dem Herzen, sei es, weil sie wusste,
wie schwer die Aufgabe war, sei es aus Zufall - oder sei es, weil es ihrer
Natur entsprach. -
Das Herz spürte nur das intensive Strahlen und die Sehnsucht nach mehr!
Es presste und pumpte gegen dieses Hindernis mit der ganzen, ihm eigenen
Kraft, die es hatte.
Diese harte Arbeit ließ es größer werden und immer mehr Muskelkraft
entwickeln. -
Es war inzwischen so groß, dass es das ganze Fenster ausfüllte und die
Gitterstäbe sich bereits in sein Fleisch drückten. - Aus diesen
Verletzungen floss Blut, rann an den Steinquadern hinab und bildete am
Boden kleine Lachen. Diese wurden von der Erde aufgenommen.
Dank dieses wertvollen Düngers, wuchsen um das Verlies besonders viele
Pflanzen. Hohes Gras verschiedenster Form, kleine Sträucher, wilde
Heckenrosen und Efeu.
Die letzteren fingen schon an, sich um die Gitterstäbe zu ranken - und übten
dadurch von außen stetigen, kräftigen Zug auf sie aus.
Durch das kräftige Pumpen und Drücken von innen und den nicht minder
kraftvollen Zug von außen, fingen die anfänglich so starren Stäbe sich
an zu biegen und klafften immer weiter auseinander.
Natürlich braucht dieser Prozess sehr viel Geduld und unendliche Zeit.
Bis jetzt hat noch niemand ausgeharrt.
So wissen wir bis heute nicht, ob sich dieses Herz befreit hat, oder ob es
noch weiter gegen die Gitterstäbe drückt und pumpt.
Eines ist ganz gewiss:
Es wird nie aufgeben!
Die Sehnsucht nach der Sonne und ihren wärmenden Strahlen ist zu stark.
Unternehmungen
auf eigene Faust und
das Spiel am Winterholz gegen den Willen der Eltern
Das
Dorf in dem Kathi lebte, war abseits der großen Städte und die Bewohner
pflegten eine eigene Denkweise, die von vielen nicht nachvollzogen werden
konnte.
Alle im Dorf waren glücklich und die besten Handwerker und die tüchtigsten
Frauen stammten aus gerade diesem Dorf.
Kathi turnte auf den Stämmen am Wiesenhang, dabei musste sich eine Sperre
gelockert haben und nach und nach fingen alle Stämme an zu rollen. Im
letzten Augenblick konnte sie noch zur Seite springen und stand nun da,
musste zuschauen, wie der ganze Holzvorrat für den Winter den Hang
hinunterpolterte und unten in den reißenden Strom fiel. Ein Stamm nach
dem anderen. Es wurde ihr sofort klar, dass die kurze Zeit bis zum Winter
nie reichen würde, um wieder ausreichend Holz für alle zu schlagen.
Diesen Winter müssten sie alle frieren, vielleicht sogar erfrieren.
Kathi lief weg und versteckte sich. Sie wollte nie mehr nach Hause gehen.
Ständig machte sie sich die größten Vorwürfe, dass sie trotz des
Verbotes dort gespielt hatte. Selbst hätte sie auch schon so gescheit
sein müssen - - - .
Es war schon dunkel, als sie sich dann doch noch entschloss, heimzugehen
und alles zu beichten.
Als sie sich dem Dorf näherte, sah sie schon von weitem, dass eine große
Runde um ein Feuer saß und schweigend wartete. Ihr fiel das Herz in die
Hosentasche. Zögernd ging sie weiter. Als man sie wahrnahm, erhob sich
der Älteste der Runde und ging auf sie zu, umarmte sie und hielt sie eine
Zeit schweigend fest in seinen Armen, dann sprach er:
Ich
liebe dich und ich bitte dich, liebe auch du dich selbst!
Ich verzeihe dir und ich bitte dich, verzeihe auch du dir selbst!
Ich segne dich und ich bitte dich, segne auch du dich selbst!
Während
er diese drei Sätze sagte, schaute er ihr fest
in die Augen. Dann ließ er
sie los und ging zurück in die
Runde.
Von da kam nun schon der Zweitälteste auf sie zu, umarmte
sie ebenfalls und sage zu ihr:
Ich
liebe dich und ich bitte dich, liebe auch du dich selbst!
Ich verzeihe dir und ich bitte dich, verzeihe auch du dir selbst!
Ich segne dich und ich bitte dich, segne auch du dich selbst!
So
ging es weiter, bis alle vierunddreißig Erwachsenen
bei ihr waren. Dann wurde sie in die
Runde der Erwachsenen gebeten. Es war
das erste Mal, dass sie in dieser Runde
sein durfte. Sie musste ganz genau erzählen, wie es sich zugetragen
hatte. Dann wurde beraten.
Es wurde darüber gesprochen,
dass es ein Fehler war, das
Holz so dicht am Hang zu lagern, dass die Zeit
bis zum Wintereinbruch viel zu kurz sei um neues Holz zu machen.
Dann wurde beschlossen, dass sich dieses Jahr alle auf das
Gemeinschaftshaus im Dorfzentrum beschränken müssten. Dort sollten dann
bei Kälte auch alle schlafen.
Die Absicht, für die sieben Häuser der sieben im Dorf lebenden Familien
je eigenes Holz zu machen, wurde vollkommen aufgegeben.
Auch wurde immer wieder nach dem Geschenk gefragt, das wohl in diesem
Vorfall versteckt sei. Andere fragten, was wohl die gute Seite an diesem
Unglück sein möge.
Kathi hörte das wohl, konnte damit aber nichts anfangen. Sie war fürs
erste froh, dass sie nicht geschimpft worden war.
Sie konnte sogar das Verzeihen der anderen annehmen und glauben, hatte es
doch jeder einzelne mit aufrichtigem Herzen zu ihr gesagt: "Ich
verzeihe dir …"
Aber der zweite Teil ".. ich
bitte dich, verzeihe auch du dir selbst!", das fiel ihr so
schwer, sie konnte es nicht; immer wieder machte sie sich selbst Vorwürfe.
Es war einige Zeit seit dem Vorfall vergangen, der Winter kam früher als
erwartet und die großen Schneemassen hatten alles unter sich begraben.
Der Holzvorrat war so knapp, dass er nur reichen konnte, wenn ganz sparsam
damit umgegangen wurde. - Aber dieser Mangel war nirgends zu spüren.
Alle lebten nun im Gemeinschaftshaus und die Körper der Leute heizten
mit, so dass auch bei kleinem Feuer eine angenehme Temperatur herrschte.
So einen schönen und lustigen Winter hatte es noch nie gegeben. Es wurde
viel miteinander gesungen, gespielt, Geschichten erzählt und gelacht.
Alle waren glücklich und immer wieder konnte man hören: "Gut, dass
Kathi das Holz ins Wasser rollen ließ!"
Immer und immer wieder wurde dieser Umstand ganz besonders erwähnt und
das gab Kathi die Kraft, ihre Selbstvorwürfe nach und nach aufzugeben.
Sie sah und erlebte es, es war der schönste Winter ihres Lebens. Wäre
das Holz nicht vernichtet worden, so hätten sie, wie all die Jahre
vorher, getrennt, jede Familie in ihrem eigenen Häuschen, eingeschneit
diese lange Zeit mit Handarbeiten und vor allem nur beschränkt auf die
Familie verbringen müssen.
Wie herrlich ist doch eine so große Gemeinschaft.
Als sie die Selbstvorwürfe aufgeben konnte, fing sie auch an zu
begreifen, was mit dem Geschenk in dem Unglücksfall gemeint war. Es war
wirklich ein Geschenk, denn die Gemeinschaft hatte beschlossen, dass auch
im nächsten Winter wieder alle im Gemeinschaftshaus leben sollten.
Dadurch würden nicht nur die Winter schöner und kurzweiliger, sonder die
Zeit konnte auch gut genutzt werden, um die Kleinen in die verschiedensten
Handwerkstechniken einzuführen. Von den Männern wurde besonders freudig
herausgestellt, dass sich nun die Zeit für das Schlagen des Winterholzes
stark verkürzte. Statt vier Monate sind es nun nur
noch drei Wochen. Sie sparen sich neun Wochen schwerste Waldarbeit
- dank Kathi.
Seit dem Unglückstag durfte Kathi bei den Beratungen der Erwachsenen teilnehmen. Es gab immer wieder Situationen
in denen in der Gemeinschaft etwas geschah, was
auf den ersten Blick furchtbar war. Die Erfahrung und Denkweise der
Gemeinschaft war es jedoch, dass überall ein Geschenk enthalten ist.
Davon ist nun auch Kathi überzeugt. Es ist ihr zur Gewissheit geworden.
Meistens waren es junge Mitglieder der Gemeinschaft, denen ein
Missgeschick widerfuhr. Wenn Kathi dann an der Reihe war, den Betroffenen
zu umarmen, dann konnte sie mit ihrem Herzen, aus tiefster Überzeugung
und mit ruhiger und fester Stimme ihre ermutigenden und liebevollen
Worte sagen.
Dieser Brauch (diese Ritual), den Verursacher vollkommen zu entlasten,
wurde auch weiterhin gepflegt. Wenn es wieder so weit ist, geht auch heute
noch jeder einzelne Dorfbewohner hin, drückt den anderen und sagt ihm
diese drei Sätze.
Ich
liebe dich und ich bitte dich, liebe auch du dich selbst!
Ich verzeihe dir und ich bitte dich, verzeihe auch du dir selbst!
Ich segne dich und ich bitte dich, segne auch du dich selbst!
nach Lena Lieblich
Edith
und Susanne
Schule - ich will -
entwickeln
Edith und Susanne sind
Zwillings-Schwestern, 6 Jahre alt, lebendig und fröhlich.
Bisher sind sie meist zusammen
auf Entdeckungs-Abenteuer gegangen, haben die Straße entdeckt, mit den
kleinen Gärtchen, haben Herrn Langbart entdeckt, so sagen sie zu ihm,
einen freundlichen, alten Mann, der viel auf seiner grünen Hausbank sitzt
und seine Pfeife schmaucht und gerne mit den beiden geredet und auch
gespielt und erzählt hat, haben den zotteligen Hund Max entdeckt, der
meist mit einer schweren, eisernen Kette an seiner Hundehütte angehängt
war und sie mit traurigem Blick begrüßte, haben den Spielplatz entdeckt,
mit all den vielen Möglichkeiten, was zu machen, was zu probieren,
einfach sich zu vergnügen, oder auch Unfug anzuzetteln, haben eine zweite
große, wunderschöne Sonne entdeckt (welcher Forscher kann solches schon
von sich sagen?), die am Ende der Häuser und im Schutz einer kleinen
Buschgruppe ihnen immer mit ihrem Blumen-Gesicht entgegenstrahlt, -
- - .
Abendteuerer und Entdecker - von Tag zu Tag wurde ihre Welt
reicher!
Und nun kündigt sich ein neuer
Lebensbereich an, der auch erforscht und erkundet sein will, der dazu
beitragen will, dass immer mehr eigene Fähigkeiten und Möglichkeiten
entdeckt und entwickelt werden können: - Die "Schule".
Nun passiert etwas
Eigenartiges:
Susanne ist ganz entzückt, freut sich auf das Neuland, wie sie sagt, und
kann es schon gar nicht mehr erwarten.
Edith dagegen - "will nicht"! - Schreiend verkündet sie
"Ich will mir nicht durch diese blöde Schule meine Freiheit einschränken
lassen! - Ich will das tun, was ich eben will - und was ich bisher immer
schon getan habe! - Und außerdem ist Schule anstrengend - und anstrengen
will ich mich auch nicht! - Und außerdem ist das ganze sowieso blöd -
und das brauche ich auch nicht - und - ich will, dass es so bleibt, wie's
ist - und ich will, dass sich auch nichts verändert - und ich will mich
auch nicht verändern! - Punkt!"
Die Eltern sehen das mit
Sorge.
Die Mutter nimmt Edith auf den Schoß, umarmt sie zärtlich und beginnt
erklärend zu erzählen: "Weißt du - Edith - Schule ist Straße und
Spielplatz und Sonnenblume und Zottelhund Max - alles zusammen
<auch> - nur in einer neuen Dimension! -
Das ist so, wie wenn du wunderschöne Kirschen vom Baum pflücken möchtest
und du holst dir eine Leiter, lehnst sie an den Baum - und beginnst
hinaufzusteigen. -
Auf die erste Sprosse - und das war deine bisherige Zeit, das waren z.B.
Straße, Spielplatz und Sonnenblume. -
Und wenn du auf dieser ersten Sprosse einen guten Stand und einen sicheren
Halt gefunden hast, dann winken oben die roten Kirschen und die zweite
Sprosse der Leiter lädt dich ein <Trau dich - komm nur rauf!>! -
Und die zweite Sprosse heißt jetzt <Schule>.
Mit viel Freude darfst du sie,
und was du dort alles entdecken kannst, erkunden. Darfst dazu-lernen <für
dich>, mehr von deinen Talenten und Möglichkeiten entdecken und
entwickeln - und im Grunde ist es nichts anderes als wieder ein
Spielplatz! - Viele neue Spielsachen warten dort auf dich - z.B. Zahlen
und Buchstaben und Wörter und Geschichten! - - - Viele Abenteuer warten
auf dich!
Und wenn du auch auf dieser
zweiten Sprosse einen guten Stand und einen sicheren Halt gefunden hast,
dann winken oben die roten Kirschen wieder und die dritte Sprosse der
Leiter lädt dich ein und du hörst wieder das schon vertraute <Trau
dich - komm nur rauf! - Geh ganz zuversichtlich weiter!> - und die
dritte Sprosse heißt jetzt vielleicht <Berufung>. -
Und wieder darfst du <für
dich> dazu-lernen, mehr von deinen Fähigkeiten und Möglichkeiten, von
dem, was dir in deinem Inneren bereits mitgegeben ist - und das spürst du
daran, dass es dir besonders viel Freude macht, dass du dich glücklich spürst,
wenn du das machst - zu entdecken und weiter-zu-entwickeln! - Und wieder
ist es ein Spielplatz - mit ganz neuen Spielsachen - wieder reizvoll und
interessant - und abwechslungsreich!
Immer wieder Neues - immer
wieder Bisher-noch-Unbekanntes - immer wieder Überraschungen - immer
wieder Aha-so-habe-ich-das-bisher-noch-gar-nicht-gesehen! - Spannend und
abwechslungsreich! - Und spielend und entdeckend wirst du ständig
reicher!
So ähnlich, wie die
Sonnenblume, die aus dem Samen hervorbricht, als kleines Pflänzchen, noch
recht schwach im Wind schaukelt, immer kräftiger und größer wird, ihre
Blüte ansetzt, sie entfaltet - einfach eine Pracht und eine Augenweide
ist für Mensch und Bienen - und am Schluss auch noch 1000 neue
Sonnenblumen-Samenkörner reif werden lässt - damit Menschen und Tiere
Futter haben - und zusätzlich immer mehr Blumen der Sonne und des Lichts
die Welt schöner und heller machen!
Und wenn du auch auf dieser
dritten Sprosse einen guten Stand und einen sicheren Halt gefunden hast,
dann winken oben die roten Kirschen wieder und die vierte Sprosse der
Leiter lädt dich ein und du hörst wieder das schon so vertraute <Trau
dich - komm nur rauf! Und geh ganz zuversichtlich weiter!> - und die
vierte Sprosse ist wieder ein "Neuer Lebens-, Abenteuer- und
-Entdeckungs-Spielplatz".
Und so geht's weiter!" -
sagt die Mutter und kommt damit langsam zum Schluss ihrer Erzählung, während
der sie Edith immer wieder liebevoll gestreichelt und an sich gedrückt
hat.
"Du darfst von einer
Sprosse zu anderen hinaufsteigen - immer näher zu den roten, leuchtenden
Kirschen hin - und jede Sprosse ist ein Spielplatz, auf dem du alles
kennen-lernen und probieren und dazu-lernen darfst, was dir bisher neu war
- und wo du alles an Fähigkeiten und Möglichkeiten und Erkenntnissen
mitnehmen darfst, was dich reicher und glücklicher macht!"
Edith hat ihrer Mutter
aufmerksam und eingekuschelt in ihre Arme zugehört - und nun hebt sie
ihren Kopf, schaut Mutter mit leicht gekrauster Stirne an und sagt:
"Das ist schön, was du da erzählt hast - aber - in die Schule will
ich nicht! - Ich will das behalten, was ich habe! - Ich will auch meine
Freiheit nicht aufgeben, mit meinem Tag machen zu können, was ich will! -
Mir reicht das, was ich habe - die Straße, der Spielplatz, der Hund Max,
die Sonnenblume - all die wunderschönen Orte! - Da kann ich sein, da
kann ich verweilen, da kann ich spielen! - Das reicht mir!"
Und Mutter wendet nochmals
vorsichtig ein: "Edith - das, was bisher Freiheit für dich war,
wird, wenn du dich wehrst und weigerst weiterzugehen, zur Unfreiheit und
zum Gefängnis! - Deine Straße usw. verliert in dem Augenblick ihren
Zauber, wenn du alles in deiner Art kennen gelernt hast und nun die
Einladung bekommst, auf die <nächste Sprosse> hochzusteigen, weil
dort Neues auf dich wartet, das auch von dir entdeckt und erforscht sein
will - und du gehst nicht mit, folgst dem Ruf nicht!
Das was dir früher neu war und dir Freude gemacht hat, es zu erforschen
und zu entdecken - auch mit vielen Ängsten und vielem Zittern - das
kennst du nun ja schon alles - und, "weil es so bleiben muss",
verwandelt es sich zu Druck und Belastung.
Die Freude und die Leichtigkeit werden immer weniger. -
Natürlich kannst du jetzt auch Neues machen, nämlich das entstehende
Leid in dir tapfer aushalten und ertragen - und die Zähne zusammenbeißen.
-
Und dich weiter dem Neuen, das an deine innere Türe klopft, verweigern, weiter abwehren: Das brauche ich nicht - das will ich nicht -
das kann ich nicht - das schaffe ich nicht - usw.!
Doch - Freude von Herzen - Liebe - Wärme - all das werden dann immer
seltenere Gäste in deinem Herzen sein. - Bedenke das - und bedenke es
bitte gut!
Freiheit liegt in der
Entscheidung für das, was jetzt dran ist - und was jetzt WICHTIG ist -
auch wenn dabei anderes, bisher Schönes, scheinbar verloren geht.
Es geht nämlich gar nichts
verloren - es verändert sich nur - es wird noch schöner und reicher als
bisher! - Auch wenn wieder Angst und Zittern zu spüren sind vor dem
Neuen! -
Doch das ist gut so - und das
kennst du ja auch. - Es sind Begleiter von Entdecken und Erforschen! - Sie
lassen dich spüren - da gibt es was, wo du noch was dazu-lernen darfst:
Mache dich damit vertraut!"
Doch Edith schüttelt nur den Kopf, hüpft vom Schoß der Mutter - und
geht Spielen.
Susanne hat sich zur Forscherin
und Entdeckerin der Schule entwickelt. Und sie entdeckt jeden Tag Neues -
mit viel Freude - und Erzählen - und Lachen - und Glücks-Gefühlen im
Bauch.
Vormittags ist Susanne in der
Schule - da macht Edith ihre Streifzüge meist alleine - oder mit
kleineren Kindern.
Nachmittags - da wird es dann
immer sehr schön - da sind sie dann beide wieder unterwegs - und Susanne
erzählt viel von der Schule - von den verflixten Zahlen, die sich
hintereinander verstecken, wie die Kinder auf dem Spielplatz, vom Lesen
und Schreiben, von der Lehrerin und von den vielen anderen Kindern - und
von dem Lachen, das in allen Ecken des Klassenzimmers sitzt - und mal bei
dem einen Kind auf die Bank springt - und dann bei einem anderen - und
dann auch bei der Lehrerin aufs Pult.
Und plötzlich sieht und erklärt
Susanne auch Dinge, die ihnen bisher ganz klar und eindeutig waren - ganz
anders.
Die Straße ist z.B. plötzlich
nicht mehr nur eine vertrauter Ort ihres Spielens, sondern sie ist jetzt
auch Verbindung zu kleineren und größeren Straßen, die in die Stadt
hineinführen - oder aus ihr hinausführen.
Susanne sieht und erlebt immer mehr Zusammenhänge, die natürlich vorher
auch da waren, aber erst jetzt für sie erkennbar werden.
Edith staunt. - Und ohne es zu
merken, geht sie bei Susanne in die Schule - und spürt immer mehr, wie drückend
und langweilig die Vormittage alleine und in der früher so geliebten
Spielumgebung werden. - Und wie unzufrieden und missmutig sie sich fühlt.
So kommt die Zeit des ersten
Zwischenzeugnisses, das Susanne freudestrahlend auf den Tisch legt. - Und
Susanne erzählt - und Mutter freut sich und lobt Susanne - und Vater
freut sich und lobt Susanne, nimmt sie auf den Arm und gibt ihr einen
dicken Schmatz.
Edith ist traurig, missmutig
und unzufrieden. - Und während sie sich leise und heimlich aus dem
lachenden Wohnzimmer verzieht, mault sie vor sich hin <Dafür habe ich
meine Spielstraße - und die Sonnenblume - und - - - >. - Und dicke Tränen
kullern über ihre Wangen. -
Eine unglückliche Edith verkriecht sich im Bett, drückt den Bären Wuff
an sich - und versinkt im eigenen Unglück.
Doch bereits am nächsten Tag
- Edith hat
dazu-gelernt, sich verändert:
Zerknittert, noch angezogen von
gestern, Wuff den Bären hinter sich herschleppend, springt sie, ja hüpft
sie lachend ins Wohnzimmer, wo alle erstaunt ihr entgegenschauen - und
verkündet:
< Ich will auch in die Schule gehen !
- Ich will auch
dazu-lernen dürfen ! - Ich will die nächste Sprosse entdecken,
kennen-lernen und mich mit ihr vertraut machen! >
Ein Freuden-Fest, ein
Indianer-Geheule, ein Tanzen und Sich-umarmen folgt - und dann beginnt
auch Edith die Schule für sich zu entdecken.
Und heute sind sie schon beide
groß - Edith und Susanne. -
Und sprechen auch immer wieder
gerne und schmunzelnd über diese Zeit.
Und beide sagen - übereinstimmend:
< Wir haben beide dazu-gelernt! - Wenn jetzt die Einladung spürbar wird "Geh weiter,
mach' den nächsten Schritt!", dann gehen wir mit Vertrauen und
Zuversicht!
Und die anfängliche Angst und Unsicherheit verschwindet regelmäßig, je
vertrauter wir uns mit dem Neuen machen, das wir jetzt, zur eigenen
Freude, dazu-lernen sollen / möchten / können / dürfen! >
auf Wüstenrallye
Das war Ende des vergangenen Jahres:
Robert, ein Mitvierziger, hatte sich entschlossen, wieder an einer
Wüstenrallye teilzunehmen. Er wusste, dass er mit seinem sehr breiten
Auto zwar nicht durch die sehr schmale Zielgasse bis ins Ziel würde
fahren können - Teile abzubauen und loszulassen, dazu war er nicht bereit
- aber bis vor das Ziel, soweit wollte er schon kommen.
An einem Samstag fuhr er mit dem Pulk Gleichgesinnter also los. Schnell
verteilte sich das Feld und jeder fuhr schließlich nur noch alleine und
auf das Ziel zu.
Am Abend des ersten Tages erreichte Robert eine kleine Oase. Seine erste
Etappe war geschafft. In dieser
Oase wurde gerade der Geburtstag der Tochter des Bürgermeisters gefeiert.
Schnell war Robert mitten drin. Es war wunderbar, auch wenn er bis zum
Morgen versumpfte. Als er dann am Nachmittag zur Weiterfahrt antreten
wollte, musste er feststellen, dass alle anderen Fahrer bereits am Morgen
weitergefahren waren und er jetzt ganz alleine am Startpunkt stand.
Auch gut, sagte sich Robert. Ich fahre sowieso für mich alleine. Mein
Vorhaben bleibt unverändert.
Wohlgemut fuhr er also weiter. - Geblendet durch die Nachmittagssonne
übersah er einen Abbiegepfeil und fuhr stundenlang in eine falsche
Richtung weiter. Bis ihn die fehlenden Reifenspuren misstrauisch machten
und er schließlich umdrehte. Jetzt fand er tatsächlich wieder die
richtige Piste und fuhr zum nächsten Haltepunkt weiter, den er erst nach
Mitternacht erreichte. Todmüde. -
Am späten Vormittag des nächsten Tages erwachte er, immer noch ziemlich
zerschlagen, und entschloss sich, heute einen Ruhetag einzulegen. - Das
tat er dann auch. Von den übrigen Teilnehmern war sowieso längst nichts
mehr zu sehen. - Er bummelte, betrachtete die Hütten, schaute den
Einwohnern zu, plauderte hier und plauderte dort, legte sich nachmittags
in den Schatten einer alten Palme, um ein ausgiebiges Schläfchen zu
machen und saß am Abend mit anderen bei einem kleinen Gelage zusammen. Am
nächsten Tag war es dann auch schon wieder später Vormittag, bis er am
Startpunkt stand um seine große Rallye weiterzufahren.
So ging es noch weitere zwei Tage. - Als er am Morgen des folgenden Tages
frohgemut zum Startpunkt kam, war dort kein Startposten, keine Zeitnahme,
einfach nichts mehr, was eben zu einer Rallye gehörte. Entgeistert fragte
er die Anwohner. "Die Rallye ist beendet!", sagten die und
wussten auch nicht mehr. Telefonisch konnte er dann in Erfahrung bringen,
dass alle Läufe bereits abgeschlossen und die Siegerehrung vollzogen war.
Wütend und traurig verkündete er, dass das alles ja nur ein
Missverständnis sei. Er sei ja schließlich auch noch dabei - und immer
noch mitten in der Wüste. Er wolle doch auch noch zumindest in die Nähe
des Ziels kommen.
"Vielleicht beim nächsten Mal!", wurde ihm dann tröstend
gesagt.
"Vielleicht beim nächsten Mal?", wiederholte er, zog eine
Schippe und ergänzte: "Wer weiß, für was das gut war."
Eigentlich wollte er einfach so weitermachen, wie bisher. Was hätte er
auch groß verändern oder auch dazulernen sollen?
Doch da ergab der Zufall, dass er hörte, die letzte Rallye sei in allen
Einzelheiten von mehreren Kameraleuten gefilmt worden. Ein Kameramann
hatte auch ihn begleitet, ohne dass er das gemerkt hatte. Und nun ergab
sich die Möglichkeit, diesen Film über die eigene Teilnahme anzuschauen
und somit die Ereignisse nochmals Revue passieren zu lassen, eigenen
Stärken, aber auch eigenen Schwächen wieder zu begegnen und vielleicht
für die Zukunft Veränderungs- und Verbesserungsmöglichkeiten zu finden.
Ja, seinen eigenen Film hat sich Robert dann mit Bedacht angeschaut und
einiges Interessantes über sich herausgefunden. Das wird ihm sicherlich
nützlich sein. *)
wofür das gut ist
....
Eine Parabel aus China erzählt von einem
armen Bauern, der einen kleinen Acker mit einem alten, müden Pferd
bestellt und mehr schlecht als recht mit seinem einzigen Sohn davon lebte.
Eines Tages lief ihm sein Pferd davon.
Alle Nachbarn kamen und bedauerten ihn wegen seines Unglücks.
Der Bauer aber blieb ruhig und sagte: "Woher wisst ihr, dass es ein Unglück
ist?"
In der nächsten Woche kam das Pferde zurück und brachte zehn Wildpferde
mit.
Die Nachbarn kamen und gratulierten ihm zu seinem großen Glück.
Der Bauer aber antwortete bedächtig: "Woher wisst ihr, dass es ein
Glück ist?"
Der Sohn fing die Pferde ein, nahm sich das wildeste und ritt darauf los.
Aber das wilde Pferde warf ihn ab und der Sohn brach sich ein Bein.
Alle Nachbarn kamen und jammerten über das Unglück.
Der Bauer aber blieb wieder ruhig und sagte: "Woher wisst ihr, dass
es ein Unglück ist?"
Bald darauf brach ein Krieg aus und alle jungen Männer mussten zur Armee.
Nur der Sohn mit seinem gebrochenen Bein durfte zu Haus bleiben.
"Wer weiß, wofür das gut ist ....."
Verfasser unbekannt
Welchen nähren?
Ein
alter Indianer saß mit seinem Enkelsohn am Lagerfeuer. Es war schon
dunkel geworden und das Feuer knackte, während die Flammen in den Himmel
züngelten.
Der
Alte sagte nach einer Weile des Schweigens:
"Weißt du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als ob da zwei Wölfe
in meinem Herzen miteinander kämpfen würden. Einer der beiden ist rachsüchtig,
aggressiv und grausam. Der andere hingegen ist liebevoll, sanft und mitfühlend."
"Welcher
der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?" fragte der Junge.
"Der
Wolf, den ich füttere!" antwortete der Alte.
Verfasser unbekannt
> Geschichten
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