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 Bild3

                                                                  Angelika Wohlfarth

 

Der vernebelte Sonnenschein

 da oder nicht da ?

 

Wir sind zwölf. Eine kleine Reisegruppe von Bekannten, teils aus dem Geschäft, teils aus der Freizeit. Wir trafen uns bisher in zufälligen, kleineren oder auch größeren Zeitabständen immer wieder. Irgendwann tauchte dann als witzige Randbemerkung der Name "Die zwölf Apostel" auf. Seither ist uns dieser Name geblieben, auch wenn nur acht oder zehn von uns zusammen sind. Wir sind eine sehr bunt gemischte Truppe im Alter, im Erscheinungsbild und auch in den jeweils persönlichen Ansichten. Ausgesprochen interessant und befruchtend.

Diesmal sind wir wieder mal vollzählig und haben uns eine felsige Insel in Kroatien für unseren Badeurlaub ausgewählt. Am Tag faulenzen, schwimmen, schnorcheln, surfen oder einfach dem Meer zuschauen, wie es gemächlich auf die Felsen zurollt. Am Abend bummeln, die Schaufenster, die Menschen und die Schiffe anschauen, essen, tanzen, ratschen. - Es ist wirklich das alternative Programm zum sonst üblichen Stress.

Wieder ein neuer Tag. Heute sind wir nicht im langen Marsch um die ganze Bucht zur Insel gewandert, sondern mit dem Boot übergesetzt. Uralte Holzboote mit Dieselmotor, gesteuert von verwitterten und freundlichen Fährleuten, stellen eine regelmäßige Verbindung zwischen der Insel und dem Ort her. Die meisten Urlauber sind bequem und bedienen sich deshalb dieser Boote. 

Jeder hat wieder sein Plätzchen unter den Pinien oder zwischen den Felsen gefunden.

Ich sitze mit Hannelore, einer schlanken, resoluten Vierzigerin auf einem Felsen über dem Meer. Die Sonne wärmt uns, eine sanfte Brise streichelt die Haut und das beständige Platschen der Wellen bildet den beruhigenden Hintergrund. In diese wohlige Stimmung hinein sagt Hannelore: "Sehr schön, kein Regen, keine Kälte, kein schneidender Wind, keine Hektik - das tut gut!"
Aus dieser wohltuenden Stimmung habe ich mich blitzschnell in innere Bilder von Kälte, Regen, unangenehmem Wind und Eile entführen lassen. Die damit verbundenen Gefühle sind Druck und Kälte und das Bestreben, da möglichst schnell wieder rauszukommen.
Für eine ganze Weile war die wohltuende Stimmung, in der ich mich hier am Strand befinde, völlig ausgeblendet und kaum noch spürbar. 
Und das alles wegen ein paar Worten, die bei mir das Jetzt mit nicht-Erinnerungen und nicht-Möglichkeiten kurzfristig erschlagen hat.
Dabei wollte Hannelore wohl nur ihre Freude darüber zum Ausdruck bringen, dass Regen, Wind und Eile jetzt nicht dabei sind.

Ich brummle ein "Hm!" und denke mir: "Worauf kommt es denn an? Dass Ungeliebtes, das hätte möglich sein können oder in der Vergangenheit immer wieder da war, jetzt Gott sei Dank nicht da ist oder darauf, was jetzt, in diesem Augenblick zu sehen, zu hören, zu spüren zu genießen ist?" 

Ich entscheide mich für das Jetzt, schiebe Hannelores Rede beiseite, lasse mich von den Sonnenstrahlen einhüllen, mich vom Glitzern des Lichts auf der Meeresoberfläche verzaubern, genieße die Lebendigkeit der Felsenküste, das bunte Badetreiben, das freudige Schreien der tobenden Kinder und fühle mich getragen vom beständigen Rauschen des Wassers. Ich fühle mich unendlich wohl. Ja, ich fühle mich glücklich. 

Im Laufe des Nachmittags, als die Sonne schon ein wenig ihre Kraft verloren hat, verlasse ich mein ruhiges Schattenplätzchen unter den Pinien, um mich wieder auf meinen Aussichtsfelsen zu setzen. Wieder bin ich nicht alleine. Andrea, eine Lehrerin in den Fünfzigern, nicht dick, nicht dünn, hat sich dort mit einer Decke ein Plätzchen gerichtet, sich eingekuschelt und genießt mit geschlossenen Augen. 
Leise setze ich mich dazu, lasse meinen Blick schweifen, spüre die Härte und Beständigkeit des Felsens und gleichzeitig die Zartheit der schweigenden Stimmung.
Schon lange sind wir beide so auf diesem Aussichtsfelsen, schweigend und genießend, da sagt Andrea: "Es ist einfach wunderbar! Ich fühle mich warm, weit und leicht, wie eine Feder im Wind. Ich fühle, ich bin lebendig! Die Sonne - ist auch in mir! Und das glitzernde, rollende und sich ständig verändernde Meer - ist auch in mir! Und der Strand mit seinen Felsen, Bäumen und Menschen - ist auch in mir! Und auch der sanfte Wind und das Meeresrauschen  sind in mir - und beflügeln und erfrischen mich! - Oh Augenblick verweile, du bist so schön!"  Und dabei schaut sie mich lächelnd an.

Ich nicke versonnen. Wieder bin ich innerlich mit der Beschreibung mitgegangen, in meinen Bildern. Die Wirklichkeit ist wohltuend mit dieser Beschreibung verschmolzen und der Augenblick hat so für mich noch mehr Kraft und Fülle bekommen. Wunderbar! 
Ja, so kenne ich sie, diese Andrea. Sie versteht es, mit wenigen Worten eine Sache treffend auf den Punkt zu bringen, jetzt eben diese Stimmung, die sie und auch mich erfüllt.

Zum Abendessen sitze ich am Tisch zusammen mit Heidemarie, Ilse und Johann. Besonders Johann ist für mich ein interessanter Typ. Ende dreißig, groß, schlank, mit Wuschelhaaren und Aussteiger-Outfit. Es hat mehrere Jahre in Japan in einem Kloster gelebt und dort meditiert. Er ist spürbar gelassen, strahlt Güte und Ruhe aus. Er sitzt dabei und hört zu. Am Gespräch beteiligt er sich meist nur, wenn er angesprochen wird.

Heute bewegen mich noch meine Erlebnisse auf dem Aussichtsfelsen. Einerseits die Nicht-Beschreibungen von Hannelore und andererseits die geschilderten, viel wohltuenderen Empfindungen von Andrea. 
Ich erzähle Johann meine Erlebnisse. Auch, dass ich das Gefühl habe, dass diese Beschreibungen nur kleine Ausschnitte waren, vormittags mit der Folge negativer Gefühle, nachmittags mit der Folge guter und warmer Gefühle. Aber woran liegt das? Und hängt das am "nicht" oder am Weglassen des Negativen? "Wie siehst du da die Zusammenhänge?", frage ich Johann.
Johann schweigt lange. Schließlich sagt er: "Jeder macht sich seine Gefühle immer selbst, indem er die eigene Aufmerksamkeit führt, entweder in die Erinnerung von Vergangenheit, egal ob positiv oder negativ, indem er die Gegenwart wahrnimmt und die dazu entstehenden Gefühle und Stimmungen, indem er die Äußere Wirklichkeit sieht, hört, riecht, schmeckt und sich vielleicht darauf konzentriert, indem er eigene Hoffnungen und Ziele mit diesem Augenblick verknüpft und damit verbunden möglicherweise auch Vorfreude, Befürchtungen und Ängste. Wie auch immer. 
Die erste Wahl ist sicherlich die eigene Beschreibung der selbst wahrgenommenen Wirklichkeit, jetzt - und das Spüren und Genießen der Gefühle, die genau dazu jetzt da sind. Alle, wirklich alle Gefühle sind willkommen und wichtig. 
Das ist nach meiner Erfahrung mein Jetzt, das meiner Wirklichkeit am nächsten kommt. - Und die kann sich erheblich unterscheiden von deinem Jetzt, das deiner Wirklichkeit am nächsten kommt. - Also: Wie ist es für mich - jetzt? Und wie ist es für dich - jetzt? - Und hilfreich ist, wenn du dir selbst, laut oder auch leise, ohne zu bewerten bzw. ohne zu urteilen das beschreibst, was du hörst, siehst, riechst, schmeckst, spürst. - Dann bist du in der Gegenwart - und da lebst du. Du lebst jetzt! Und aus dem Jetzt heraus gestaltest du deine Zukunft. Die Vergangenheit mit all ihren alten Erfahrungen, Schönem und auch Schrecklichem, ist unwiderruflich vorbei!
Nun werde ich aufbrechen, weil ich noch eine Runde gehen und bummeln möchte, bevor ich zu Bett gehe."
Das sagt Johann, nickt lächelnd mit dem Kopf, schiebt seinen Stuhl zurück und verlässt unseren Tisch, an dem ich nachdenklich alleine zurückbleibe.
Ich will über die Worte von Johann nachdenken. Sie berühren mich. Mal sehen, ob ich damit meine bisherige Sichtweise zum Thema "nicht" ergänzen bzw. erweitern will.

Das war ein reicher Tag. Er hat begonnen mit scheinbar durch "nicht" vernebelten Sonnenschein, ging weiter mit einem Bad in wohltuenden Gefühlen und endete schließlich mit einem erstaunlichen: "Alles ist richtig und wichtig - jetzt!" 

 

 

Die Kraft 

 der Gedanken und der Zuversicht 

 

Unlängst habe ich mich an eine Geschichte erinnert, die mal in einem Seminar erzählt wurde.
Sie begann mit dem Hinweis, dass diese Geschichte zwei Äste habe, einen mit einem freundlichen Entwicklungsweg und einen mit einem tragischen Ende - verbunden mit der Frage, welchen der Äste wir als ersten hören wollten. - Die übereinstimmende Meinung war, zunächst den tragischen und dann den erfreulichen Teil zu hören.
Dann kam sie also, die Geschichte:

Die Kraft der Gedanken und der Zuversicht:

Es waren einmal ein Mann und eine Frau, beide erfahrene und leidenschaftliche Bergsteiger. Sie lernten sich kennen und entschlossen sich, gemeinsam einen für beide neuen Berg zu besteigen.
Beide freuten sich darauf und stiegen mit Begeisterung ein.
Sie hatten bereits schwierige Wegstücke gemeistert, da kam ein beängstigendes Wegstück: Ein schmaler Gratweg, mit Rauf und Runter, der nach beiden Seiten steil abfiel.

Der tragische Ast der Erzählung:

Beide betraten dieses schwierige Wegstück. Bereits früher hatte die Frau geklagt, sie zweifle, ob das gut wäre, ob sie das schaffen würde. Nun, auf diesem schwierigen Wegstück, ließ sie sich nicht anseilen, ließ auch nur wenig ermunterndes Zureden gelten - und wiederholte ständig: "Ich zweifle, dass das gut gehen kann!" Immer wieder: "Ich zweifle, dass das gut gehen kann!" - Unsicher und ängstlich eierte sie den Weg entlang. - Nach und nach wurde auch der Mann ängstlich und unsicher. - In der Mitte des Weges sind sie beide abgestürzt.

Der erfreuliche Teil der Geschichte:

Beide betraten dieses schwierige Wegstück - und beide hatten Vertrauen zu den eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten - und sie hatten gegenseitiges Vertrauen. "Wir werden das schaffen!", sagten sie sich gegenseitig immer wieder - und lachten sich dabei an. Sie trafen und nützten alle möglichen Sicherheits- und Schutzvorkehrungen, seilten sich an, verstärkten ihren Halt beim Gehen, indem sie Steigeisen benützten - und sie nahmen sich gegenseitig an der Hand, obwohl sie wegen der Enge des Weges hintereinander gehen mussten. Kein Zweifel war in ihnen Vorsicht, Umsicht und volles Vertrauen. "Wir schaffen das!" - Und sie haben es geschafft. Mit zitternden Knien - und lachend, wie sie später erzählt haben.
Danach sind sie erfolgreich weitergegangen und haben sich immer wieder als ein gutes Team bewährt. - Mit Zuversicht, Freude, Umsicht und Vertrauen!

Diese Geschichte will mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf gehen.

 

 

Die Statue

 des Michelangelo

 

Eines Tages wurde Michelangelo von einer reichen Familie beauftragt, eine Statue von außergewöhnlicher Schönheit zu erstellen.

Er suchte daraufhin nach einem geeigneten Marmorblock. Nach einer ganzen Weile fand er in einer Seitenstraße einen fast vollkommen von Unkraut überwucherten Block, der dort vergessen worden war. Diesen Marmorblock ließ Michelangelo von seinen Arbeitern in sein Atelier bringen.

Dann begann er damit, die Statue des David aus dem Stein zu hauen. Dafür brauchte er zwei ganze Jahre. Und zwei weitere Jahre dauerte es, bis er die Statue durch Schleifen und Polieren fertig stellte.

Als die Statue feierlich enthüllt wurde, waren viele Menschen gekommen, um die unvergleichliche Schönheit des David zu bewundern. Man fragte Michelangelo, wie es ihm denn möglich gewesen war, eine so wunderschöne Statue zu erschaffen.

Der Bildhauer sprach: "Der David war immer schon da. Ich musste lediglich den überflüssigen Marmor um ihn herum entfernen."

                           Verfasser unbekannt

 

 

 Hansi 

 

PROLOG:

Und - dann schreibe ich einen Brief - und mache es - so, wie ich meine, dass es eben gut und richtig ist.

Dann rufe ich ihn an, lese ihm den Brief vor - und er bringt einen Hinweis, dass "das" vielleicht noch berücksichtigt werden könnte. Jetzt sehe ich das auch. - Ich habe die Wahl (*) und ich bin ein bisschen enttäuscht.

Dann gebe ich mir Mühe und mache es wirklich besser, so gut ich eben kann. - Ich rufe ihn wieder an, um jetzt erneut seine Meinung zu hören. Da fällt ihm doch erneut was ein, dass er "das oder jenes" noch berücksichtigen würde. - Ich habe die Wahl (*) und ich fühle mich geknickt. Weil ich aber sehe, dass ich es tatsächlich anders noch besser machen könnte, tue ich das dann auch. Es ist ja mein Interesse - und mir ist dieser Brief ja so wichtig!

Dann rufe ich ihn erneut an, mit der Überzeugung, dass nun auch sein Beifall zu dem, was ich jetzt geschrieben habe, kommen muss. Eigentlich will ich ja nur Beifall und Bestätigung, sonst nichts (**). Nun fällt ihm tatsächlich noch "dies und jenes" auf, das vielleicht verfeinert werden könnte. - Ich habe die Wahl (*) - und ich ärgere mich. Über wen eigentlich?

Dann überarbeite ich den Brief erneut, finde, dass er wirklich besser und aussagefähiger ist, als am Anfang, dass jetzt Hinweise enthalten und Akzente gesetzt sind, die ich vorher übersehen hätte - und rufe ihn wieder an. - Und jetzt fällt ihm tatsächlich schon wieder etwas auf. - Um was geht es eigentlich? - Um meinen Beifall, den ich endlich kriegen will - oder um einen bestmöglichen Brief, den ich gestalten und wegschicken will? Ich habe die Wahl (*) und ich bin sauer.

Nach nochmaliger Korrektur (die ja schon vernünftig war) rufe ich ihn erneut an. Was will ich eigentlich von ihm? Seinen Beifall, seine Zustimmung, seine Anerkennung? - Seine Entscheidung, dass ich den Brief jetzt so lassen kann? - Wer entscheidet eigentlich bei mir und für mich, wann mein Brief so ist, wie er sein soll?
Na ja - er klatscht Beifall -
aber ich bin stocksauer!

Da hätte "er" mir doch gleich am Anfang bessere und umfassendere Informationen geben können, worauf "ich" zu achten habe.
Ich habe die Wahl (*) und ich bin sauer "auf ihn"!

*) INNERE GEDANKEN DAZU:
"Ich habe die Wahl: Entweder mich darüber zu freuen, das, was mir da als wichtig und notwendig am Herzen liegt, jetzt besser machen zu können, gute Anregungen bekommen zu haben, mit deren Hilfe ich jetzt etwas 'Noch Besseres' zustande bringen kann (und für künftige, ähnliche Fälle Gutes und Brauchbares dazuzulernen!) - oder mich zu ärgern, dass ich es nicht schon beim erstenmal so gut gemacht habe, wie es eben besser gewesen wäre - und mir damit das 'Nochmal' und 'Anders' und 'noch Ausgefeilter' gespart hätte."  -??-

**) INNERE GEDANKEN DAZU:
Weil - eigentlich will ich ja 'nur' Beifall (Lob) hören - nichts anderes!
Höre ich etwas anderes, dann beschimpfe ich mich selbst, dass ich nicht gut genug, nicht perfekt genug war, tatsächlich alles nur Denkbare und Mögliche sofort und alleine zu erkennen und natürlich hervorragend zu berücksichtigen. 
Wenn ich nicht perfekt bin, bin ich nicht gut genug.
Dann habe ich sofort wieder ungute Gefühle, fühle mich ungerecht behandelt: 
Das hätte er ja gleich sagen können! (Er/Die anderen sind Schuld, dass es mir jetzt schlecht geht!)  -??-

 

H a n s i

"Adlerfeder!" und "Stinknase!" - das sind seine Spitznamen.
Früher, als er noch kleiner war, bekam er sie - und zwar die "Stinknase", wenn er, zornig oder ungeduldig oder wütend über irgendetwas war, was ihm nicht sofort so gelang, wie er es wollte. Dann lief sein Gesicht rot an, seine Augen wurden groß und begannen zu schwimmen - und die Nase begann zu tropfen. Nun konnte es sein, dass er zu schreien begann - oder mit dem Fuß aufzustampfen - oder auch schreiend zu weinen - oder auch nur leise weinend zu winseln. Was auch immer kam - los ging's mit der tropfenden Nase.
Die "Adlerfeder" bekam er, weil er listig und mit großem Einfallsreichtum seine vielen Ideen lebte und durchzusetzen versuchte. Da gehörte auch seine Fähigkeit dazu, eine "Stinknase" zu sein, wenn das gerade der günstigste Weg schien, seinen Kopf durchzusetzen. -

Hansi!
Ein aufgeweckter Blondschopf, der neugierig Uhren zerlegte, um nachzuschauen, wer darinnen die Zeiger bewegt, der Mutters Strickzeug auseinander nahm und es einfach nicht fassen konnte, dass dort, wo eigentlich gar keine Verbindung war, dann eben doch eine bestand. Und am Schluss saß er vor einem Berg aufgetrennter Wolle und hatte die leeren Stricknadeln in den Händen und seine Mutter stand vor ihm, wütend, schimpfend, weinend und lachend. Der zuhause und bei allen Nachbarn Kerzen für einen ganz besonderen Zweck einsammelte - und viele bekam - die er dann aufs Backblech türmte, um eine ganz besondere Geburtstags-Kerze zu backen. - Die Spuren der damaligen Bescherung zieren heute noch das Backrohr.
Der mit aufgeschlagenen Knien, einer gebrochenen Zehe oder auch einer klaffenden Wange nachhause kam - trotzdem strahlend - "Ich habe es geschafft! - Und die Verluste halten sich in Grenzen!" - Auch wenn er dann natürlich momentan sehr leidend war und allergrößten Zuspruch brauchte.

Hansi!
Der - nachdem er einen Schlager gehört hatte "Ein Meer voll Rosen ...." - mit Engelsgeduld alle Rosen im Garten abschnitt, auch die Knospen, sie in einem Korb anschleppte, auf dem Wohnzimmerboden ausbreitete und seine entsetzte und wie vom Donner gerührte Mutter anstrahlte: "Für dich auch ein Meer voll Rosen!". - Der "hilfsbereit und endlich mal" Vaters Schreibtisch aufräumte dadurch, dass er alles was er zu fassen bekam in einen Karton verfrachtete und ächzend, weil natürlich ganz schön schwer, in die Mülltonne brachte.

Hansi! - Adlerfeder und Stinknase!
Man musste ihn gerne haben, egal, welchen Spitznamen er gerade verdiente.


Hansi steht nachdenklich am Bücherregal im Wohnzimmer. Zieht ein Buch heraus, blättert es durch, stellt es wieder zurück. Immer wieder. - Doch plötzlich wird seine Aufmerksamkeit gefesselt.
Bilder und Zeichnungen tauchen auf. "Der Junge Heimwerker" - vielleicht ein Buch aus Vaters Kindertagen.
Fernsehkästchen, eine Blumenbank, eine Eisenbahn-Anlage ... . "Was es alles gibt!" und "Das mache ich auch!" - immer wieder - und dann wieder anders - und dann wieder noch anders - bis er schließlich an der Abbildung eines Vogelnistkastens hängen bleibt. -
So nützlich - und so nett - und jetzt gerade jetzt im Frühjahr - - -!

Der Vogelnistkasten muss es sein - und zwar sofort!

Nun: Da ist ja Vaters kleine Heimwerkstatt.
Bald ist tatenfrohes Hämmern und Lärmen zu hören, das nach kurzer Zeit plötzlich endet, dann ein Knall der Wohnungstüre und Hansi verschwindet eilig mit einem bunten Fahrrad - ohne Schutzbleche, mit groben Stollenreifen und leicht verdreckt - um die nächste Straßenecke. - 

Am Abend sitzen sie dann alle wieder zusammen um den Wohnzimmertisch. - Papa, Mama und Adlerfeder Hansi. -
Hansi ist bestens gelaunt, Mama etwas abgespannt und Papa schaut ärgerlich zu Hansi und sagt, nachdem er eine große Zange auf einem Wohnzimmerstuhl entdeckt hat:
            "Hansi - hast du die Zange gehabt?"
Hansi druckst ein bisschen herum und antwortet dann:
                                   "Jjjaahhh, ja - ich räume sie dann schon auf!" -
            "Was hast du denn damit gemacht?" fragt Papa wieder. -
                        
            "Oooch, eigentlich nichts - - - nur wegen dem Vogelnisthaus!"
            "Was ist mit dem Vogelnisthaus?" -
fragt Papa wieder, der aus Hansis Antwort nicht schlau wird.
                                   "Oooch - nichts - gar nichts - ich dachte nur, eines zu machen."
           
"Und - willst du nun eines machen?"
                                   "Nein - das habe ich mir in der Zwischenzeit anders überlegt!"
und Hansi wird nun ganz eifrig:
                                   "Weißt du - heute Nachmittag habe ich Ulli, Rolf und Gerda getroffen - und - wir machen jetzt einen "Clan" zusammen - und da haben wir beschlossen, dass wir da auch ein Clan-Symbol brauchen. -"
Mama schaut nun auch ganz interessiert und Papa fragt wieder:
            "Und - wie geht's weiter, außerdem - was hat das jetzt mit der Zange auf dem Stuhl zu tun?"
                                   "Die Zange räume ich dann schon weg!
Das Clan-Symbol? - Das müssen wir natürlich jeder selber machen - sonst ist es ja nicht echt - oder?"
           
"Was wollt ihr denn nun machen?"
                                   "Violette Strick-Rollmützchen!"
            "Aha!" - sagt der Papa. und auch Mama entfährt ein erstauntes: "Aha - aha -!!"
Nach einer kurzen Pause der Verblüffung schlägt Papa versöhnlich vor:
            "Nun bringen wir mal die Zange gemeinsam zurück in die Werkstatt und dann erzählst du uns mehr über eueren Clan und euer neues Clan-Symbol - einverstanden?"
Hansi ist das nicht gerade angenehm. Er zaudert und zögert, doch als Papa aufsteht, steht auch er langsam auf, holt die Zange vom Stuhl und folgt Papa zur Werkstatt.

Papa steht bereits in der Türe und starrt auf das Durcheinander in seiner kleinen Heimwerkstätte.
Werkzeug liegt auf dem Boden verstreut, auf dem Tisch die Bohrmaschine, gerade Nägel und krumme Nägel, auf dem Boden liegt ein langes Brett, über Kreuz mit einem etwas kürzeren vernagelt. -
            "Hansi? - Was soll das?"
                                   "Na ja - mit den Brettern habe ich mal angefangen, um die Seitenwände des Vogelhauses zu kriegen. - Da habe ich zwar die Anleitung gelesen. Das war aber dann so komisch - und dann hatte ich auch keine Lust mehr - und -"
Papa unterbricht ungeduldig
            "Hansi - ich habe dir erlaubt, die Werkstätte zu benützen. Da gab es eine Bedingung!"
Hansi murmelt etwas kleinlaut
                                   "Ich weiß - ich weiß! - Ich hinterlasse die Werkstatt so, wie ich sie vorgefunden habe!"
           
"Genau! - Das haben wir zusammen ausgemacht!"
                                   "Das ist so anstrengend! - Ich muss da immer so genau aufpassen, wenn du etwas liegen gelassen hast, wie das liegt und wo das liegt - dann muss ich mir erst mal überlegen, welchen Sinn das für dich hat, sonst kann ich die alte Ordnung nicht wieder ohne weiteres herstellen - na ja - ich muss so genau aufpassen! - Das macht überhaupt keinen Spaß!
Und das Wegräumen - na ja - es ging einfach nicht weiter! - - -
Das macht überhaupt keinen Spaß!"
            "Denkst du, mir macht es Spaß, mein Werkzeug und meine Sachen wieder einigermaßen aufzuräumen? - Das kostet mich auch Überwindung und Anstrengung! - Das ist es mir aber wert, weil ich dann meistens die Zange oder den Hammer oder was sonst - an der Stelle finde, wo es normalerweise seinen Platz hat - und Mama auch - und du auch. -
Während sonst erst einmal ein sinnloses, zeitraubendes und ärgerliches Suchen losgeht.
Mir reicht es, wenn ich meine Sachen einigermaßen aufräume!
Ich mag nicht auch noch deine Unordnung aufräumen müssen!
Ausgemacht ist ausgemacht! - Du darfst die Werkstätte benützen, wenn du sie hinterher wieder in Ordnung bringst. - Niemand zwingt dich dazu! - Magst du sie hinterher nicht wieder aufräumen, dann brauchst du sie vorher nur nicht zu benützen!"
Hansi murmelt leise:
                                   "Erpressung! - Wo ich nachmittags sowieso so wenig Zeit habe - und - !"
Papa unterbricht ungehalten:
            "Nein - Hansi - nicht Erpressung, sondern "Vereinbarung zwischen zwei Partnern! - Wir haben das miteinander ausgemacht!
Wenn du dich an diese Vereinbarung nicht mehr halten magst, dann erlaube ich dir auch nicht mehr, in meiner Werkstätte zu arbeiten. - Ich mag nicht deinen Saustall aufräumen müssen! -
Also - wie machen wir's?"
                                   "Ich räume auf! - Versprochen!"
           
"O.k. - dann helfen wir jetzt zusammen, dann geht's schneller! - Mama wartet ja auf uns im Wohnzimmer!"

Beide gehen gemeinsam an die Arbeit. Die Bretter werden voneinander getrennt, die eingeschlagenen Nägel entfernt und zur Seite gestellt, das Werkzeug kommt in die entsprechenden Schubladen, die Bohrmaschine auf das Bord über dem Arbeitstisch. Kurz Tisch und Boden zusammengekehrt. Keine 10 Minuten sind vergangen - und alles ist wieder in Ordnung.

Hansi sagt mit einem Seufzer der Erleichterung:
                                   "Hat richtig Spaß gemacht - zu zweit! - Und war leicht!"
Und Papa antwortet mit einer verständnisvollen Stimme - und indem er Hansi den Arm um die Schultern legt:
            "Klar - miteinander und gemeinsam geht vieles leichter und schneller - und macht außerdem auch noch viel mehr Spaß! - Klar! - Das ändert aber nichts an unserer Vereinbarung! -
Wenn du alleine die Werkstätte benützt, bist du alleine für die Wiederherstellung der Ordnung zuständig!"

Mit fröhlichen Gesichtern kehren sie ins Wohnzimmer zurück!

Dort hat Mama in der Zwischenzeit begonnen, den Abendbrot-Tisch zu decken. Sie helfen nun alle zusammen, decken den Tisch fertig und dann essen sie gemütlich.

Nach dem Essen nimmt Mama das Gespräch von vorher wieder auf und fragt:

            "Wie ist das jetzt eigentlich mit diesem Strickmützen-Clan-Symbol?"

Und Hansi erzählt - was sie alles machen wollen - und warum das so wichtig ist - und dass sie da eben die Roll-Mützchen brauchen, keine einfachen Strickmützen - und dass die eben selber gemacht sein müssen.

                                   "weil", fährt er fort, "weil dann werden diese Mützchen in einer feierlichen Zeremonie zusammengeworfen und untereinander ausgetauscht. Schließlich bekommt jeder wieder ein Mützchen. Durch das "selber-gemacht" und "Keiner weiß, von wem die selbst getragene Mütze ist", entsteht eine innige Verbindung - und das wirkt wie eine Bluts-Brüderschaft!"
            "Kannst du denn stricken?" fragt Mama weiter.
                                   "Eben nicht!" stöhnt Hansi - Das will ich jetzt lernen! - Und dann will ich mein Mützchen selbst stricken! - Hilfst du mir dabei - Mama? - Bitte!"
           
"Oder Papa?" - sagt Mama und schaut dabei ihren Mann neckend an.
                                   "Kannst du denn auch stricken?" lässt sich Hansi wieder ganz verwundert hören.
            "
Hm! - Ich kann!" sagt Papa schmunzelnd. "Ich bin nicht so gut in der Übung, weil ich schon lange nicht mehr gestrickt habe, aber ich kann es! - Es macht auch Spaß! - Und es ist ein tolles Gefühl, dann auch etwas Selbst-getricktes anzuziehen oder auch zu verschenken!
Großmutter hat es uns, mir und meinen 4 Brüdern, gezeigt - und sie hat immer gesagt:
<Alles, was nur möglich ist, sollte jeder - und zur eigenen Freude - lernen!>
Gute, alte Omama!"
Und Papa kratzte sich versonnen lächelnd am Kopf: 

            "Gute alte Omama!
Wie recht sie doch hat! - Damals haben wir Lausebengel das nicht ganz so gesehen - und sind ausgebüchst, wann und wo es nur ging. Doch Omama ließ nicht locker, zog uns auch hin und wieder an den Ohren und setzte Prämien aus. Wer 10 Reihen gestrickt hatte, konnte sich eine Tafel Schokolade abholen! - Und Schokolade war damals etwas ganz besonderes!
Wir bekamen viel Schokolade - und hatten damit auch höchst gefragte Tauschobjekte im Freundeskreis - und so ganz nebenbei lernten wir damit auch Stricken! - Schokolade-Stricken - sagten wir dazu - und hatten damit viel Spaß! -
Zum Ab-und-zu-einen-Rat-geben langt es sicherlich noch, doch zum Zeigen und Anleiten wird wohl Mama die besseren Fähigkeiten verfügbar haben!"
Und er nickte Mama fröhlich und entspannt zu.

 

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ZL = in der Zentralen Linkliste vorgemerkt 
A&L erl. =   Links für Alltag und Labyrinth wurden auf die neuen Adressen umgestellt!

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April 08 (Die Kraft), Mai 08 (Der vernebelte...), Juni 09 (Die Statue), Nov 09 (Hansi), Aug.15(Bild3)
   

siehe auch:        alle Hinweise von:   <<Seite1    >>Seite3 
 

 

siehe auch:

Erziehen    Geschichten-Verzeichnis     Nicht    Jetzt    RoterFaden6(1-9)   Vertrauen    Visionen     Wer/Wie bin ich?    Zuversicht 

 

 

 

Die Verweise auf einschlägige Texte in ALLTAG bzw. LABYRINTH sind vor allem bei den o.a. Einzeltexten! 

 

 

>ZL

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