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Gespräche 1

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  •  Gespräche (1)  -  mit Pausen ...  

  •  Gespräche (2)  -  gemeinsames Anliegen und Beziehung 

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  •      Gespräche (4)  -  Reaktionen u. Missverständnisse (Was tun?)   >> 

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Gespräche  1

 mit Pausen  (spielerisch experimentieren)

 

Da setzen sich zwei zu einem Gespräch zusammen: 

"Weil ich dir etwas von mir erzählen möchte! 
 Weil ich auch an deinem Anteil nehmen möchte! 
 Weil du mir wichtig bist! - usw.!" 

Und dann ergibt ein Wort das andere, das Gespräch führt vom Baumstamm zum Ast, zum Ästchen, usw., verliert sich in Details (mitunter sogar in Vorwürfen). Es rutscht oft einfach weg. Gleichzeitig bleibt Wichtiges ungesagt. Beste Voraussetzungen für un-gute Stimmung und Streit.

Wieso? - Oft ist  innerlich 'alles' gleichzeitig da und scheinbar gleich wichtig. Da bin ich dann wie eine Zeitung, die klar und übersichtlich informieren will, jetzt aber nur fortlaufenden Text hat, 'ohne' Überschriften, 'ohne' Hinweise, 'ohne' Kurz-Zusammenfassungen, 'ohne' erkennbare Prioritäten. Das Gegenüber wird damit überschüttet - in der besten Absicht - jedoch keineswegs mit bestmöglichen Wirkungen. 

Das bisher Übliche mit neuen Möglichkeiten anzureichern und damit weiter zu entwickeln, dazu lädt dieses Probier-, Lern- und Übungs-Spiel ein.
 

Ein sich anbahnendes Gespräch (z.B. Austausch von Tageserlebnissen)
spielerisch als
'Gespräch mit Pausen' führen:

 

Dazu zunächst die Spielzeit festlegen (z.B. 1 St.) und vereinbaren, wer anfängt.

 

Wer anfängt (A), kündigt das an.
 

           Es folgt eine Pause!

 

A fasst nun 'innerlich' das, was ihn bewegt zusammen. Dann bezieht er auch sein Gegenüber und die Situation mit ein und findet  
 

           3 Sätze, die das ihm 'jetzt' Wichtigste zum Inhalt haben.

              Einer dieser Sätze soll auch ein momentan spürbares Gefühl enthalten
              (z.B. Ich spüre meine Freude, dass ich jetzt wieder mit dir zusammen
              sein kann. / .. dass mir das heute gelungen ist. usw.).
 

Dann spricht er seine 3 (Kern-) Sätze aus.

 

 

Der andere (Z) hört aufmerksam zu.

Hat A geendet kündigt Z das Weitermachen (Übernehmen) an.

 

           Es entsteht wieder eine Pause!

 

Z überlegt nun seinerseits, was ihn gerade bewegt und was er mitteilen möchte. 

Dazu hat er

 

           1 Verbindungssatz, mit dem er das von A vorher Gehörte bestätigt / 
                zusammenfasst / kommentiert und damit daran an-knüpft       
                und dann ebenfalls

 

           3 Sätze, die das ihm 'jetzt' Wichtigste zum Inhalt haben.

                Einer dieser Sätze soll auch ein momentan spürbares Gefühl
                beschreiben.

 

Dann spricht er das aus - seinen Verbindungssatz und seine 3 (Kern-) Sätze.

 

 

So geht es in stetem Wechsel weiter - jeweils mit

           1 Verbindungssatz und

           3 Sätzen  "Das Wichtigste, was ich jetzt sagen / ausdrücken / 
               loswerden möchte!" (+ in einem Satz ein aktuelles Gefühl ).

 

Am Schluss sich gegenseitig austauschen und bedanken! 

(Was war besonders beeindruckend? 
Was war besonders erfreulich?
Gewinne für mich ? 
Gewinne für dich ? 
Gewinne für uns ?

Danke für deine Bereitschaft und dein Engagement !)

 

Es sind immer beide, die miteinander sprechen und das Gespräch 'führen' (leiten, ihm die Richtung geben)!

Das Spiel fördert 
- das Auswählen (in sich selbst) und Ausdrücken des jetzt gerade eigenen Wichtigsten,
- die gegenseitige Aufmerksamkeit und den gegenseitigen Kontakt (Verbindung) 
   zueinander durch intensives Zuhören und danach Bestätigen des Gehörten bzw. 
   durch Daran-anknüpfen,
- das Gleichgewicht durch Füllen des gemeinsamen Gesprächs mit etwa 'ähnlichen' 
   Inhalts- und Zeit-Anteilen und 
- das gegenseitige Sich-besser-verstehen und damit das Gefühl von Nähe.

 

Es führt unweigerlich zu überraschenden Entdeckungen - innen, wie außen, bei sich selbst und beim anderen - und zu neuen (zusätzlichen) Möglichkeiten!

Diese Möglichkeit, sich klar und damit besser verständlich an einem Gespräch zu beteiligen, kann auch 'einseitig' und überall probiert werden. Es lohnt sich dabei, die eigenen Gefühle und die Ergebnisse zu beachten!

 

Was ist das eigene Wichtigste, was häufig übersehen oder als selbstverständlich gegeben angenommen wird?   Z.B. "Es ist schön, dass du da bist! - Ich unterhalte mich gerne mit dir! - Ich hab dich lieb!"
Ist dies das Allerwichtigste, was als erstes gesagt werden möchte - oder gibt es aktuell wirklich noch Wichtigeres?
Welche Gefühle sind dazu da (strahlen innerlich und zum Gegenüber hinüber)? 
Welche Stimmung, welches Gesprächsklima entsteht unweigerlich?

Damit spielen / experimentieren und gleichzeitig spüren - 
und miteinander auch 'darüber' reden!

 

 
 

Das 'Gespräch mit Pausen'  eröffnet viele neue Möglichkeiten:

Verbindet es doch - in diesem Augenblick des Gesprächs - 
ganz bewusst

              ICH (und das, was ich mitbringe oder 
                     auf dem Herzen habe)  

          +  DU (jetzt und hier anwesend, sichtbar, hörbar spürbar!)  

          +  die SITUATION (Umgebung, Stimmung)

und rückt das EIGENE, 'jetzt' WICHTIGSTE, in den Vordergrund (ins Rampenlicht der Aufmerksamkeit!).


Nachsatz:
  Geht man davon aus (als Arbeitshypothese), dass jede Botschaft (auch ein Telefonanruf) drei Botschaften enthält, eine Allerwichtigste, eine Zweitwichtigste und den Standard (die momentane Sach-Information), dann ist es immer gut, genau in dieser Reihenfolge zu erzählen. Sonst verliert sich das Gespräch leicht im Standard und das Allerwichtigste und das Zweitwichtigste (z.B. Gefühle, das was mich gerade bewegt) bleiben unausgesprochen. Das wäre schade.

 

Gespräche  2 

gemeinsames Anliegen und Beziehung 

 

Wir haben uns lange nicht mehr gesehen - Rieke, Hanne und ich. - Nun sitzen wir mal wieder gemütlich zusammen. Die Kerze brennt, der Kaffee durftet, verschiedene Sorten Kuchen locken verzehrt zu werden - und das Gespräch plätschert.
Immer wieder spricht mich Rieke an mit:
"Da muss man eben ...!"  und  "Du musst da halt ...!"  und  "Du kannst da doch ...!"  usw.

Allmählich spüre ich mein Unbehagen und wende ein, dass ich Formulierungen, wie "du musst.., du sollst .., du kannst doch .. usw." nicht mag, weil  ich  sie als Versuch empfinde,  mich  in der außen gewünschten Art und Weise zu lenken und damit fremd zu bestimmen.  Meine  freie Auswahl aus der Fülle  meiner  Möglichkeiten, mit einer Situation umzugehen oder ein Problem zu sehen oder zu lösen, soll damit auf das  "du musst - genau das" festgelegt werden.

Der Versuch also, mit Zwang und Beschränkung in  meine  Zuständigkeit  für mich einzugreifen. -  "So empfinde  ich  das!"
Und dann reagiere ich selbstverständlich entsprechend. Ich wehre ab - oder ziehe mich zurück. Ob das nun Rieke ist, meine Partnerin oder jemand anders, das spielt dann keine Rolle.

Nun ist Rieke erst recht empört, wieso ich denn überhaupt dazu komme, so zu reagieren - und mir fehle eben die rechte Toleranz.  -  Rieke fühlt "sich" erkennbar angegriffen und schlägt - mit versteinerter Miene - mit Worten um sich, beschuldigt, greift an und verteidigt sich.

Das Gespräch beginnt sich zunehmend zu verhärten und im Kreis zu drehen.

Rieke hört nicht mehr, was ich  von mir  und nur bezogen  auf mich  ergänzen möchte. Ich kann sie mit dem, was ich ihr  von mir  erzählen will, nicht mehr erreichen.

Das bringt doch nichts, denke ich mir - und das wollen wir doch alle zusammen nicht!
An diesem Punkt steige ich mit dem Hinweis aus dem Gespräch aus, dass ich für uns alle jetzt ein leckeres Abendessen zubereiten werde.
Während der Essensvorbereitungen frage ich mich, was da in dem Gespräch schräg läuft, so dass ein "Gegeneinander" entstanden ist, statt "voneinander zu erzählen und einander zuzuhören".
 

Nach dem Essen geht es wieder ruhig und entspannt weiter. Wir sind uns einig, dass Fragen helfen, eine gemeinsame Grundlage für das Gespräch zu finden:

Worüber wollen wir uns unterhalten?
Haben wir für unser Gespräch ein gemeinsames Ziel?
Wollen wir eines haben?
Könnte es uns weiterhelfen bzw. nützen (mehr Freude und Zufriedenheit)?

Jeden Augenblick sind ja bei jedem viele Erinnerungen, Eindrücke und Ideen da. Hat ein Gespräch eine gemeinsame Grundrichtung, dann lässt sich innerlich leichter und besser auswählen, was daraus jetzt an Wesentlichem zu "diesem" Gespräch gehört. - Das ist eine positive Wirkung solcher "gemeinsamen Ziele".

Eine weitere positive Wirkung ist, dass wenn ich den Eindruck habe, im Moment nichts zu einem Gespräch beitragen zu können, weil mir scheinbar nichts dazu einfällt, dann merke ich, dass ich innerlich momentan offensichtlich in eine andere Richtung schaue. Das kann ich den anderen erzählen und - wenn sie es hören wollen - auch etwas von meinen Inhalten.
Das wirkt auflockernd und vielleicht sogar befruchtend. 

Schließlich hält ein gemeinsames Ziel oder die Vereinbarung einer Gesprächszeit (z.B. dazu wollen wir uns höchstens 1 St. lang unterhalten) die Gedanken zusammen. Es ist eine Hilfe, nicht vom Hundertsten zum Tausendsten zu kommen, sondern bei dem zu bleiben, was in diesem Zusammenhang "persönlich" wichtig ist, daraus auszuwählen und zu erzählen.
 

In unserem bisherigen Gespräch "glaubten" wir, uns alle in der gleichen Richtung zu unterhalten. Tatsächlich hat aber jeder von etwas anderem gesprochen. - Bis wir nun feststellen, dass es uns allen darum geht, wie Gespräch und Miteinander verbessert werden kann.
 

Dazu einigen wir uns auf Leit-Fragen:

Wie mache  ich  es gerade?
Bin  ich  mit den Wirkungen für mich - auch im Kontakt mit andere - zufrieden?

Will  ich dazu beitragen, dass das Miteinander für alle ein bisschen besser wird - mit  meinen  Möglichkeiten und in  meiner  Art? 

Wenn < ja > :
Wie will  ich  es haben,   was will  ich  verbessern   und   dazu beitragen?

Welche Wirkungen will  ich  damit erzielen?

Wie überprüfe  ich, ob die Wirkungen in die Richtung gehen, wie  ich mir  das wünsche?  

Was mache  ich, wenn ich merke, dass die Entwicklung (Realität) nicht ganz dem entspricht, wie  ich  es gerne mehr hätte?
 

Die Leit-Fragen sind als eine Art zusätzliche "innere Orientierung" gedacht.
Gemeint ist nicht, dass jeder sich nun hintereinander die Fragen stellen - und dann die eigenen Antworten dazu erzählt (obwohl auch das natürlich möglich ist).
Vielmehr sollen die Fragen bei der "inneren Auswahl" dessen, was jeder erzählen will - und vor allem auch, wozu er "noch nichts" oder "noch wenig" erzählt hat, helfen.

Die Leit-Fragen können jedem immer wieder "bewusst machen" und ihn "erinnern", von sich selbst, den  eigenen  Erfahrungen, Eindrücken, Ideen, Vorstellungen und Sehnsüchten zu sprechen und nicht leere Luft zu bewegen oder Streit zu verursachen, indem irgendwelche Allgemeinplätze, z.B. < wie "andere" gemeint haben oder wie "man" soll oder muss, wie "es" richtig oder falsch ist usw. >, zum besten zu geben und damit vom "gemeinsamen Thema" abzukommen und möglicherweise auch noch das Gespräch zu  vergiften.
  

Jetzt entwickelt sich - wie von selbst - ein lebhaftes und höchst interessantes Gespräch. Jeder erzählt, was er so tut, was er träumt und was er anstellt, um dem näher zu kommen. Es ist reich - und persönlich.
Der Abschied:  Ein herzliches Sich-in-den-Arm-nehmen!
 

Es ist schon recht hilfreich, das sehen wir auch in diesem Gespräch wieder, wenn es nicht ganz so läuft, wie eigentlich erwünscht, sich Gedanken zu machen und darüber zu reden, wie Gespräche besser gestaltet werden und welche Hilfsmittel die gewünschten Veränderungen erleichtern können.

 

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März 06(1), Febr.10(2) 

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                    Die Verweise auf einschlägige Texte in ALLTAG bzw. LABYRINTH sind vor allem bei den o.a. Einzeltexten!

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