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Gewaltfreie
Kommunikation
- GfK -
ergänzende
Erläuterungen,
Infos,
Allgemeines
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Mit
Giraffenohren hören
In einer Sonderveröffentlichung der Zeitschrift Publik-Form (www.publik-forum.de)
wurde die Gewaltfreie Kommunikation als einer von 20 vorgeschlagenen
Schritten zu einer besseren Zukunft angesehen (Titel des Dossiers:
"Einfach die Welt verändern").
Hier der entsprechende Textauszug:
"Stell
dir vor, es ist Streit und keiner verliert. ... Geht das? Die eigenen
Interessen durchsetzen, ohne andere zu verletzen? Die eigenen Bedürfnisse
befriedigen, ohne andere zu schädigen? Grenzen setzen, ohne Gewalt
anzuwenden?
Immer mehr Menschen glauben, dass das möglich ist, und trainieren deshalb
»Gewaltfreie Kommunikation« (GfK). Der Begründer dieser
Kommunikationsmethode, Marshall Rosenberg, arbeitet seit Jahrzehnten
erfolgreich als Mediator in vielen Krisenregionen – mit Kindern und
Erwachsenen, Schülern und Lehrern, Polizisten und Gangstern.
Schon
Kinder können den Unterschied zwischen »Giraffensprache« und »Wolfssprache«
lernen, denn das Prinzip ist einfach. Es geht darum, die eigenen Bedürfnisse
zu erkennen, Situationen nicht wertend zu beschreiben, Gefühle auszudrücken
und Bitten zu formulieren.
Das
Geheimnis dieser Methode liegt im Erkennen von Bedürfnissen – der
eigenen wie der anderer. Denn im Innersten sind wir gar nicht so
verschieden, wie wir oft meinen: Jeder Mensch braucht Nahrung, körperliches
Wohlbefinden, Unterkunft, Sicherheit, Empathie, Kreativität, Liebe,
Spiel, Erholung, Autonomie und Sinn. Der Unterschied zwischen »Wölfen«
und »Giraffen« besteht darin, dass Giraffen es wagen, sich verletzlich
zu zeigen. Statt andere zu kritisieren, ihnen Vorwürfe zu machen, sie
herumzukommandieren oder zu manipulieren, haben sie den Mut, Bitten zu äußern.
In der
Praxis ist GfK ein lebenslanger Übungsweg, der Beziehungen intensiver
machen, Partnerschaften bereichern, Kindererziehung erleichtern und die
Schule revolutionieren kann. Wer sich auf den Weg macht, die »Giraffensprache«
zu lernen, wird entdecken, um wie viel reicher das Leben sein kann – für
ihn und die Anderen." n
at Okt.06
... In der GfK gibt es
keine TU-Anleitung, sondern immer, immer und immer wieder:
Was ist jetzt gerade in
diesem Moment los?
1. Was ist genau passiert?
Wobei getrennt wird zwischen Beobachtung und Bewertung.
Wenn ich Bewertungen habe, dann beobachte ich eben
meine eigene Bewertung.
2. Was fühle ich? Und
zwar JETZT. *)
3. Wenn ich das fühle,
was brauche ich dann wohl? Und zwar JETZT.
4. Was könnte ich oder
jemand anders tun, damit ich bekomme, was ich brauche?
Und zwar JETZT.
Mit der GfK können wir
keine Prognose treffen, was passieren wird, wenn ich .. so
und so rede oder wenn ich das und das tue.
Es ist vielmehr so, dass wir mit dem Üben und Leben der GfK uns öffnen für
etwas Neues, was passieren kann.
Für mich ist es ein Entkommen aus Kausalitätsbegriffen.
Ein Entkommen von Fragen, was kann ich tun, damit z.B. mein Kind das und das
tut.
GfK hat als Ziel, Menschen
in Verbindung zu bringen.
Was dann passiert, entzieht sich unserem Einflussbereich.
In diesem Sinne hat es auch etwas mit Vertrauen und Loslassen zu tun. ....
von Isabell Peters - 01.05.06
*) MEIN Spüren, das aus
MEINEM Körper kommt, sagt und signalisiert MIR etwas, was für MICH
wichtig ist und was MICH (nicht die andern oder die Welt oder die
Umstände) betrifft. (Anmerkung: Gerhard Salger)
Weitere Informationen:
Bedürfnisse sind z.B. (Liste)
Gefühle sind
z.B. (Liste)
siehe
auch: Gefühle (2) Vier Schritte + 1
Grundannahmen:
Annahmen, die der Geisteshaltung in der
Gewaltfreien Kommunikation zugrunde liegen:
Universalität der menschlichen Bedürfnisse: Wir alle haben
die gleichen Bedürfnisse. Worin wir uns voneinander unterscheiden ist in
unseren Strategien, Bedürfnisse zu erfüllen. Konflikte tauchen auf der
Ebene der Strategien auf – nicht der Bedürfnisse.
Gefühle habe ihre Wurzeln in unerfüllten oder erfüllten Bedürfnissen:
Unsere Gefühle sind direkt mit unseren Bedürfnissen verbunden. Wenn
unsere Bedürfnisse erfüllt sind, fühlen wir uns glücklich, erfüllt,
erregt, etc. Wenn unsere Bedürfnisse nicht erfüllt sind, fühlen wir uns
traurig, ängstlich, wütend, etc. (Anmerkung: Unsere Einschätzung ob
unsere Bedürfnisse erfüllt sind oder nicht schließt fast immer eine
Interpretation oder einen Glauben mit ein.)
Alles was Menschen tun sind Versuche, Bedürfnisse zu erfüllen:
Unsere Motivation zu handeln entsteht aus dem Wunsch, Bedürfnisse zu
erfüllen. Wir ziehen es vor, unsere Bedürfnisse so zu erfüllen, dass
Andere dadurch nicht verletzt werden, wenn wir einen Weg finden, der auch
unsere Bedürfnisse beachtet.
Mitgefühl: Wir
haben eine angeborene Fähigkeit zum Mitgefühl. Wenn diese Fähigkeit genährt
wird, sind wir in der Lage einfühlsam zu handeln, und die
Wahrscheinlichkeit wächst, dass Bedürfnisse (unsere eigenen und die
Anderer) auf friedliche Weise erfüllt werden.
Natürliches
Geben: Wir
haben eine uns innewohnende Freude daran, etwas für andere zu tun, wenn
wir unser Geben als freiwillig erfahren.
Verbindung:
Verbindung taucht auf, wenn wir mitfühlend gegenseitig unsere Bedürfnisse
verstehen. In Konfliktsituationen ist es nötig diese Tiefe der Verbindung
zu erreichen, um sicherzustellen, dass alle Bedürfnisse erfüllt werden können.
Es
ist genug für alle da: In
dieser Welt gibt es genug Ressourcen und Strategien, um jedermanns/
jederfraus Bedürfnisse zu erfüllen - wenn die Systeme und sozialen
Strukturen daran ausgerichtet wären, Bedürfnisse zu befriedigen. Die
meisten Menschen erfahren keine Fülle, weil die
heutigen sozialen Strukturen nicht dafür geschaffen sind. Wir
glauben, dass jeder offensichtliche Mangel ein Anzeichen sowohl für die
Grenzen des heutigen Systems sind, wie auch für eine Krise der
Vorstellungskraft und einem Fehlen von Kenntnissen, die Verbindung zu fördern.
Frieden schaffen: „Richtig/Falsch“-Urteile
führen zu Trennung und Streit, während Urteile auf Basis von Bedürfnissen
zu Verbindung und Frieden führen. Frieden schaffen
schließt die Schaffung größeren Selbstverstehens und tieferen
Mitgefühls für alle Menschen mit ein, ob ich mit ihnen übereinstimme
oder nicht.
Begleitsätze
beim Üben
Wir
glauben, dass die folgenden Vorsätze uns helfen können, die Gewaltfreie
Kommunikation in unseren Alltag zu bringen, um zu einer Atmosphäre
beizutragen, in der jederfraus und jedermanns Bedürfnisse in friedlicher
Weise Beachtung und Erfüllung finden.
1.
Selbst-Einfühlung: Unser Ziel ist es, alle
Selbstvorwürfe, Selbstverurteilungen und Forderungen an uns selbst
loszulassen. Wir wollen uns selbst mit Mitgefühl behandeln und Verständnis
haben für die Bedürfnisse, die wir uns mit all unserem Tun zu erfüllen
versuchen.
2.
Verantwortung für
unsere eigenen Gefühle: Unser Ziel ist es, unsere Gefühle mit
unseren eigenen Bedürfnissen zu verbinden. Wir erkennen, dass andere
nicht die Macht haben, uns irgendwelche Gefühle zu machen. Diese
Erkenntnis befähigt uns, aktiv etwas für die Erfüllung unserer Bedürfnisse
zu tun, anstatt darauf zu warten, dass die anderen sich ändern.
3.
Verantwortung für
unser Tun: Unser Ziel ist es, unsere freie Wahl in jedem Moment zu
erkennen , und so zu handeln, wie wir glauben, dass es die Erfüllung
unserer Bedürfnisse am wahrscheinlichsten macht. Wir vermeiden es,
motiviert durch Angst, Schuld, Scham, Wunsch nach Belohnung oder aus dem
Pflichtgefühl heraus zu handeln.
4.
Von Herzen sprechen:
Wenn wir uns selbst ausdrücken, ist es unser Ziel, von Herzen zu
sprechen, unsere Gefühle und Bedürfnisse auszudrücken und klare, durchführbare
Bitten zu formulieren.
5.
Mit Mitgefühl
aufnehmen: Wenn wir andere hören,
dann ist es unser Ziel, die Gefühle und Bedürfnisse hinter dem Gesagten
und dem Handeln zu hören, unabhängig davon, wie sie sich ausdrücken,
sogar wenn ihr Ausdruck oder Handeln nicht unsere Bedürfnisse erfüllt
(z.B. Urteile, Forderungen, körperliche Gewalt).
6.
Zuerst die Verbindung: Unser
Ziel ist es, eher eine
offenherzige Verbindung mit jedermanns/jederfraus Bedürfnissen in den
Mittelpunkt zu stellen, als schnelle Lösungen zu finden. Dies gilt
besonders in herausfordernden Situationen.
7.
Gleichberechtigt für
alle Bedürfnisse Sorge tragen: Wir wollen bitten anstatt zu fordern.
Wenn wir ein "Nein“ auf unsere Bitte hören, oder ein “Nein“ auf
jemandes Bitte aussprechen, dann wollen wir Lösungen suchen, die alle Bedürfnisse
erfüllen, nicht nur unsere oder die der/des anderen.
8.
Jenseits von Richtig
und Falsch: Unser Ziel ist
es, unsere Gewohnheit, Einschätzungen in „Richtig“ und „Falsch“
zu machen (moralische Urteile) zu verwandeln. Stattdessen wollen wir
fragen, ob menschliche Bedürfnisse erfüllt sind oder nicht.
9.
Schützender Gebrauch
von Macht: Wir
wollen minimale Macht
gebrauchen in Verbindung mit dem Wunsch
zu beschützen, nicht mit dem Wunsch zu erziehen, zu bestrafen oder
unseren Willen gegen das Einverständnis anderer durchzusetzen, und nur in
Situationen, wenn der Dialog kein sinnvoller
Weg ist, um dringende Bedürfnisse nach physischer Sicherheit zu erfüllen.
Unsere
Absicht ist es, sobald die physische Sicherheit wiederhergestellt ist, zum
Dialog zurückzukehren.
von Inhal und Miki Kashtan, 2005, nvc@baynvc.org, www.cnvc.org
aus dem Amerikanischen frei übersetzt von Isabell Peters
mit Kindern (ein Gedicht)
Gehorch mir nicht, mein Kind
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Hör mir zu und öffne
dein Herz,
wenn ich mein Herz öffne,
wenn ich mich dir zeige.
Belehre ich dich,
so sag mir, wenn du genervt bist.
Sage ich "Du
musst!"
so glaube mir nicht, mein Kind -
hab Nachsicht mit mir,
wo ich andere Wege noch nicht kenne.
Wenn ich meine, ich wüsste
besser, was dir gut tut,
so glaube mir nicht -
hab Nachsicht mit mir,
wo ich noch kein Vertrauen habe.
Höre mir zu und öffne
dein Herz,
wenn ich mein Herz öffne,
wenn ich mich dir zeige,
mit meinem mangelnden Vertrauen,
mit meinem Schmerz,
mit meiner Orientierungslosigkeit.
Niemals, mein Kind,
gehorche mir!
Folge mir, wenn es dein
Herz erlaubt.
von Isabell Peters - 2005
siehe auch: ich
will (?) |
im Internet
(Gesprächsplattformen)
Eine kinderorientierte
(bevorzugt, aber nicht nur!) Gesprächsplattform für Alle, weil alle Themen zur Sprache kommen, die so auftauchen -
besonders
für Partner, Eltern, Lehrer, Erziehende, Großeltern und an einem sehr
lebendigen und warmherzigen Austausch Interessierte:
http://de.groups.yahoo.com/group/GFK-Eltern-sein/
Moderatorin: Isabell
Peters isabell.peters@web.de
Eine Gesprächsplattform mehr
allgemeinerer Art - für alle an der Gewaltfreien Kommunikation
Interessierten:
http://de.groups.yahoo.com/group/ngfk/
Moderator: Klaus Karstädt
klaus.karstaedt@t-online.de
Die Teilnahme bedarf der persönlichen
Anmeldung. Das geht aber schnell und einfach!
Ich nehme an beiden Gruppen teil und finde den Austausch ungemein
bereichernd!
... Durch die GfK habe ich gelernt, dass hinter jedem unguten Gefühl und
auch jeder unguten Reaktion (Ärger, Enttäuschung usw.) ein 'eigenes' Bedürfnis
steckt, das hungrig ist. Weil, wenn ich das habe und bekomme, was ich
brauche, dann geht es mir ja rund und gut. Seit ich das so sehen kann, ist
vieles viel spannender geworden. Weil, zu sehen, was die anderen verkehrt
machen, damit war ich schnell bei der Hand (und auch heute passiert mir
das immer wieder - nicht mehr so oft). Aber nun jeweils
herauszufinden, was ICH gerade brauche (z.B. Anerkennung, Wertschätzung,
Gesehenwerden, Verbindung, Zuwendung, Aufmerksamkeit, Abwechslung,
Alleinsein, Aufrichtigkeit, Austausch usw. usw.), das ist ganz schön
schwierig. Aber auch beglückend und befreien, denn jetzt kann ICH selbst etwas dafür
tun, dass ICH das mehr bekomme, was ich mir gerade wünsche, z.B. auch darum bitten. ...
Die
Gewaltfreie Kommunikation bietet einen Weg an, zu einer achtsameren
und respektvolleren inneren Einstellung und damit zu einem
intensiveren Leben.
Und es beginnt mit dem Anwenden und Einüben einer äußeren Methode.
Isabell Peters (Dierkes), die Moderatorin der Internet-Gesprächsplattform
'GFK-Eltern-sein',
erzählt dazu:
"Wenn wir dies im Wunsch, unser Leben zu verändern,
konsequent tun, dann kommen wir nicht umhin, unsere Haltung zu verändern,
weil wir die Wahrnehmung auf etwas anderes fokussieren als bisher. -
Unsere Haltung ändert sich also automatisch mit dem Üben der vier
Schritte. - .. Wenn wir die Methode üben, dann kommen wir an der Haltung
nicht vorbei."
Noch etwas: Ich habe in meinem Leben wirklich Wichtiges dann
am ehesten verändert, wenn ich die größten
Schwierigkeiten / Schmerzen hatte. Ich begreife heute Schwierigkeiten und
Schmerzen als Helfer, die mir wohl wollen. Solange ich Schwierigkeiten
oder auch Schmerzen habe,
mache ich etwas in meinem Leben, das mir schadet. Wenn ich es schmerzlich
spüre, merke ich, dass ich dringend dafür sorgen sollte, dass ich mich
wieder wohler fühle - alleine, mit dem
Partner und mit anderen zusammen. Also Veränderungen in Richtung wohler fühlen
und mehr Freude - und zwar in kleinen, vielleicht auch nur in Mini-Schritten, wie es eben
gerade möglich ist.
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Das Geheimnis,
mit allen Menschen in Frieden zu leben,
besteht in der Kunst,
jeden seiner Individualität nach zu verstehen.
Friedrich Ludwig Jahn (1778 - 1852) |
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