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 Scheibchenweise 

 Geschichte 

 

Es waren einmal zwei Bergwanderer, die sich beide schon seit langem das Ersteigen eines wunderbaren, hohen Berges vorgenommen haben - jeder für sich. Und sie haben es oft probiert. Auch mit anderen zusammen. Doch es hat nie so richtig geklappt. 

Immer wieder war es dieser wunderbare Berg, der lockte, die vom Licht umspielte Bergspitze - hell, leuchtend, strahlend - und der Weg - er musste wunderbar sein. 

Zweifellos mit vielen Herausforderungen - vielleicht auch manchmal alles verlangend, an Kraft und Ausdauer - insgesamt ganz bestimmt wunderbar, einmalig, einfach ein Erlebnis. 

"Jeder nur mögliche Einsatz lohnt sich!", sagten sich beide Bergwanderer - immer wieder - immer wieder - und hatten, jeder für sich, ihr wunderbares Ziel immer vor Augen.

Und so geschah es eines Tages, dass sich beide trafen. 

Sie kamen ins Gespräch - und ins Fachsimpeln - und nach ganz kurzer Zeit des begeisterten Austausches waren sich beide einig, diesen Berg gemeinsam besteigen zu wollen. 

Beide wussten, dass jeder von ihnen die Fähigkeiten hatte und die Kraft und die Ausdauer und das "Ich will!". - Was sollte da noch schief gehen?

Sie bereiteten ihre Tour vor, gingen schon hin und wieder kurze Strecken zusammen, beschafften die notwendige Ausrüstung - sorgfältig, Stück für Stück, - und es war rund rum eine Freude. - Die hatte jeder für sich. - Und die hatten auch beide miteinander. - Zwei Himmelsstürmer. - Sie fühlten sich zum Bäume ausreißen.

So rückte der Tag heran, wo sie vereinbart hatten, aufzubrechen und gemeinsam die große Tour zu beginnen.

Sie gingen los - mit Freude.  
Rasch, zügig und ausdauernd - 3 Stunden, ohne Pause. Es war noch gut - es ging auch noch ohne Pause - die war noch nicht so wichtig - es ging noch. - 
Dann nach 5 Stunden gönnten sie sich eine kleine Pause. -  
Sie waren schweigsamer geworden. Es war eine ernste Schweigsamkeit, die sagte: "Wir wollen diesen Gipfel bezwingen - so schnell wie möglich! - Und wir wollen keine Zeit verlieren! Wir wollen jede Minute nutzen!"

Und so gingen sie dann auch weiter. 
7 Stunden9 Stunden, 13 Stunden - das Gehen war hart, schweigend und verbissen geworden - fordernd - bis schließlich, nach 15 Stunden der Tageshalt beschlossen wurde.

Für einen kleinen, stärkenden Imbiss waren beide schon fast zu müde. 
Sie schlangen nur eine Kleinigkeit herunter, damit auch der Magen endlich Ruhe gab, fielen zur Seite und schliefen ein - todmüde, erschöpft und ausgepumpt.

Viel hatten sie an diesem ersten Tag schon geschafft - viel - sehr viel.

Wieso eigentlich? - Und zu was eigentlich?

Am nächsten Morgen erwachten beide erst gegen 10 Uhr, bereits mitten am Vormittag. Und sie begannen sich Vorwürfe zu machen, wieso denn der eine den anderen nicht rechtzeitig geweckt habe. Es entstand ein heftiger Wortwechsel.

Als sie sich dann schließlich erheben wollten, stellten beide fest, dass die gemarterten Glieder nicht gehorchen wollten. Jede Bewegung machte Beschwerden - ließ sich nur langsam und wie in Zeitlupe ausführen. 
An ein Weitergehen war nicht zu denken.

"Ärgerlich! - Der Zeitverlust!  -  Wie konnte der nur wieder hereingeholt werden?", meinten sie.

Und so schlugen sie denn das Zelt auf, das hatten sie sich gestern gespart und sich gesagt: "Es geht auch so - und das spart außerdem auch noch Zeit!"

Weil es denn sein musste, suchten sie dafür auch sorgfältig einen schönen Platz aus. - Und dann richteten sie sich ein, machten es sich gemütlich - so gut es eben ging.

Innerlich entschuldigten sie sich vor sich selbst, dass das eben jetzt sein müsse, weil ja sowieso nichts anderes getan werden könne. Natürlich würden sie liebend gerne weitergehen - ohne Verzug - sofort - aber das war, so wie die Verfassung der beiden im Moment war, völlig ausgeschlossen.

Sie richteten sich also ein, und machten sich's bequem und gemütlich. 
Sie blieben einen - zwei - drei Tage - und spürten allmählich die Kräfte wieder kommen - die Ruhe - die Freude - die Zuversicht - die Sicherheit - das Vertrauen.

Und sie begannen auch wieder zu lachen und zu scherzen und die wunderbare Umgebung wahrzunehmen. - Die Wiesen, den Wald, die Bäume, die Blumen, die Tiere, die Vögel und die Eidechsen, die sich vorwitzig immer wieder in den Proviantsack schlichen, um an den Vorräten zu naschen. - "Alles! Alles ist eine Freude! ", lachten sie. 

Und so beschlossen sie, auch noch den vierten Tag hier zu verbringen, als krönenden Lust- und Genuss-Tag. - Und als Tag der Erkenntnis.

Denn an diesem Tag setzten sie sich zusammen und überlegten, wie sie denn nun weitergehen sollten. - Der bisherige Start sei ja nun doch wohl nicht so ganz das Beste gewesen.

Nach langem Hin und Her - und Abwägen, kamen sie zu dem Ergebnis, künftig langsamer zu gehen, am Tag nur noch 4 - 6 Stunden. Auch wenn die Kräfte von beiden noch voll da seien, wollten sie diese Grenze einhalten - und die restliche Zeit dazu verwenden, für ihr gemeinsames Wohlbefinden zu sorgen: 

Das Lager gemütlich einrichten, gutes Essen vorbereiten, schauen, hören, spüren, dösen, sich gehen lassen, reden, spielen usw. - einfach geniessen.

Auch im Gehen wollten sie langsamer werden. - Bewusster.  -  Aufmerksamer.  - Mehr Pausen einlegen - zum Schauen und Staunen -  Das Schöne beachten.

So würden sie, das wussten sie, ihr Ziel erreichen - in der Zeit, die eben notwendig war. - "Und der Weg - der verspricht viele Geschenke und Belohnungen!", überlegten sie.
So beschlossen sie es denn auch.
 

Wir sehen sie am Rande der Lichtung stehen, auf der sie nun 4 Tage der Besinnung, Neuorientierung, Erholung und Kräftigung zugebracht haben, schon dabei, wieder in den Wald einzutauchen, in dem der Weg sich hier fortsetzt. 

Einer der beiden ist um 3 cm kleiner als der andere - ein kaum wahrnehmbarer Größenunterschiede. Doch hin und wieder auch Gegenstand von Spaß und Neckerei.

So sagt jetzt die Kleinere zum Größeren - mit ganz ernstem Gesicht - und koboldig glitzernden Augen:

"Hallo Großer!  Jetzt machen wir aus Last-Wandern (weil wir rauf wollen, so schnell wie möglich - und keine Zeit für was anderes vertun wollen ...usw.)  einfach Lust-Wandern.
Das Ziel im Auge, beachten und genießen wir alles, was wir wahrnehmen, nehmen uns die Zeit und die Aufmerksamkeit für das Jetzt.   
So lassen sich auch schwierige Wegstücke leicht und mit Freude - weil's da ja auch so viel Schönes zu entdecken und zu erleben gibt - bewältigen.  Einverstanden?"

"Ja!" - antwortet nachdenklich der mit 'Großer' Angesprochene.
Und noch was:
"Wir wollen auch den Zauber, den uns diese Lichtung, dieser Aufenthalt geschenkt hat, mitnehmen und uns einen Helfer sein lassen.

"Welchen Zauber meinst du?", fragt die Kleinere. 

"Wann immer einer von uns wieder das Rennen anfangen sollte - oder Achtlosigkeit und Nachlässigkeit spürbar werden sollten, dann ist es wichtig, dass derjenige, der's zuerst merkt, den Zauber erinnert, z.B. mit: 
Was entdecke ich an Schönem - jetzt?
Sehe es, höre es, fühle es, spüre die Freude darüber in mir?
Dann wollen wir einhalten - wahrnehmen - und uns das gegenseitig erzählen. - Es spüren und genießen. - So lange und so intensiv, bis die Leichtigkeit wieder da ist, um unser Tun und unser Handeln, unser Denken, Fühlen und Streben wieder auf das Ziel hin zu orientieren, auf unser Anliegen hin auszurichten - um dann in dieser Richtung wieder zügig und achtsam weiterzugehen."

"Und - wir dürfen uns gegenseitig auch auf Schönes aufmerksam machen - oder auch Fragen stellen -  und besonders gut aufeinander hören, besonders gut und sorgfältig einander wahrnehmen.  - Ausgemacht?" 

"Ausgemacht!"

Lachend verschwinden sie beide auf dem Weg, der in den Wald hineinführt - dem in der Ferne sichtbaren Gipfel zu.

 

F-ok
ZL = in der Zentralen Linkliste vorgemerkt 

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Juni 10 

siehe auch:     > Beziehung     Geschichten     Kennen-lernen    > Partnerschaft 

                 Die Verweise auf einschlägige Texte in ALLTAG bzw. LABYRINTH sind vor allem bei den o.a. Einzeltexten!

>ZL   

 

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