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Schiff ahoi !

 Traum oder Wirklichkeit?

 

Geträumte Wirklichkeit ?
Wirklichkeit, wie ein Traum ?

 

Ich stehe inmitten einer fiebernden, summenden Menschenmenge und betrachte neugierig die vier an der Kaimauer vertäuten Schiffe, die an dem bevorstehenden Wettbewerb teilnehmen sollen. 

Schnittig, weiß, groß und gleich. Vier ganz gleiche Schwesterschiffe. Sie unterscheiden sich nur durch die Schiffsnamen und die auf Deck versammelten Mannschaften.

Ganz rechts liegt die "Neomir". Die Besatzung, Männer und Frauen in dunklen Schiffsuniformen, sie stehen schweigend an Deck, halten sich am Geländer fest und schauen zu uns herüber.

Daneben, etwa 20 Meter weiter links, die "Astrella". Die Besatzung? Ein bunt gemischtes, schwatzendes und lachendes Völkchen. Erinnert an Hippies und Sit-in. Aus dem Hintergrund ist ein Banjo zu hören. Die Musik lockt zum ausgelassenen Tanz!

Dann kommt die "San Marco" mit einem ellenlangen, Kapitän. Seine goldbestickte Mütze funkelt in der Sonne. Auch das Gold auf seinen Schulterklappen. Er blickt grimmig und entschlossen. Der Mund ist zu einem festen Strich geschlossen. Eng um ihn geschart sein Mannschaft, immer wieder zu ihm hinblickend, jederzeit sprungbereit. Nur das leise Plätschern der Wellen an die Bordwand unterbricht das Schweigen.

Am linken äußeren Ende schließlich die "Falke". Bunt angezogene Männer und Frauen lümmeln, neugierig zu uns herüberschauend, am Schiffsgeländer. Sie lachen und reden. Mitten unter ihnen ein grobschlächtiger, bärtiger Seebär. Das dunkle Etwas auf seinem Kopf hat er nach hinten geschoben, eine Flasche nach oben gerissen. Daraus nimmt er einen kurzen Schluck. Mit einem zufriedenen Seufzer gibt er sie weiter, begleitet mit den tief dröhnenden Worten "Auf unsere Fahrt!  Mit Spaß gewinnen!" Jeder trinkt und wiederholt "Mit Spaß gewinnen!" Über diesem Häuflein wogt nun ein Gewirr von Stimmen: "Spaß .. Spaß .. Spaß .. Spaß .. ... !"

Ich fühle mich eigenartig.
Ich weiß - ich bin alle. Ich bin Zuschauer in dieser neugierigen Menschenmenge, ich bin die Menschenmenge, ich bin auch jedes dieser Schiffe, jede der Besatzungen, jedes einzelne Besatzungsmitglied, ich bin alles zusammen und in einem.

Ein Gedanke von mir - und ich kann dort sein und dazugehören, wo ich gerade sein will.

Die Startvorbereitungen sind abgeschlossen.
Der für den Start Verantwortliche steht - sehr wichtig - auf seinem Podest, winkt mit einer Fahne und hebt die Hand mit einer Krachpistole.

 

Ich denke mich auf die "Neomir".
Der Startschuss fällt. Schon peitscht eine Stimme an mein Ohr "Otto - an die Maschine!" 
Ich stürze in den Maschinenraum. Aha - ich heiße also Otto - und ich verstehe mein Geschäft! Mit wenigen Handgriffen starte ich den Schiffsmotor. Zunächst unruhiges - und dann immer dunkler und beruhigender werdendes Brummen füllt den kleinen Raum. Die Ventile klappern hell und regelmäßig. "Volle Fahrt voraus!" Die Maschine heult auf. Das Schiff bebt und ächzt. Wirft sich von einer Seite zur anderen. Ich höre das Kommando zum Segelsetzen, das Kommando für den Kurs. Ich spüre das hektische Eilen und Werken, das Rollen und Schlingern des Schiffes. Das Zittern, das durch die über Deck eilenden Schritte entsteht. Doch - irgendetwas stimmt da doch nicht!? 

Ich verlasse den Maschinenraum und gehe auf Deck.
Der Kapitän steht auf der Brücke und blickt mit dem Fernglas auf die See hinaus. Jedes Mannschaftsmitglied ist voll beschäftigt. - Doch das Schiff liegt immer noch fest. Die haltenden Taue wurden nicht gelöst. Sie sind stramm gespannt und halten das Schiff an seiner alten Position fest.
Ungläubig blicke ich mich um. Keiner scheint es zu merken. Ich schaue auf die See hinaus. Die drei Schwesterschiffe haben die Fahrt über das Meer schon aufgenommen. Zwei liegen weit vorne, sind schnell. Im Mittelfeld die Astrella.

 

Ich denke mich auf die "Astrella".
Ich stehe auf Deck und schaue zum Hafen und zu der dort noch unbeweglich festgebundenen "Neomir" zurück. Ich deute darauf und rufe "Die setzen sich überhaupt nicht in Bewegung! - Träumen die?" 
Da kommt eine locker als Zigeunerin gekleidete, kraftvolle Frau auf mich zu und strahlt mich an: "Lass sie träumen! Irgendwann werden auch sie aufwachen! - Komm mit Süßer!" Und gleichzeitig hakt sie mich unter und zieht mich in ihre Kombüse. 

Das Schiff schaukelt weich auf den Wellen. Später, als ich wieder nach oben komme, sehe ich grüppchenweise die Besatzungsmitglieder auf Deck. Musik, Tanzen, Karten spielen, Meditieren, Beten, Trinken, Rauchen und Sich-berauschen. Das alles gehört, wie selbstverständlich dazu. 

Ich wundere mich. Es ist unnatürlich friedlich und schön. Und plötzlich sehe ich: Das Schiff schwimmt, aber keiner ist auf der Brücke, keiner kümmert sich um das Ruder und die Maschine. Jeder macht, was ihm gerade einfällt. "Ich fühle mich so wohl! - Sooo wohl! - Göttlich!" sagt ein Hüne, in einer Hand die Flöte, in der anderen Hand eine Schnapsflasche. Er hält mir die Flasche hin. "Willst du auch - Rudi-Floh?" 

Rudi - aha! - Ich schiebe die Hand mit der Flasche zur Seite und gehe zum Decksgeländer, halte mich fest.
Das Schiff beginnt stärker zu rollen. Der Wind hat aufgefrischt. Die Wellen tragen schon kleine Schaumkronen. Der Wind pfeift aggressiv in der Takelage. Himmel und Wolken verkünden Sturm.
Noch trinken, lachen, und palavern alle - nur etwas lauter als vorher.

Doch das Wetter beginnt zu rasen! - Eng zusammengepresst sitzen sie nun unter Deck. "Es wird ganz bestimmt alles gut gehen!" Dieses monotone Murmeln verbindet, hält sie, wird beschwörendes Gebet, während der Sturm mit dem willenlosen Schiff sein Spiel treibt. Es hierhin und dorthin wirft und es schließlich mit einem verächtlichen Aufschrei auf einen Felsen schleudert.

 

Noch bevor das Meer die Reste gierig verschlingt, denke ich mich auf die "San Marco".
Ein aufgeräumtes Deck, hin und wieder huscht eines der Besatzungsmitglieder fast lautlos und flink wie eine eilige Maus über das Deck - hierhin oder dorthin. Ich stehe vor einem großen Anschlag, am Abgang zum Unterdeck: "Schiffsordnung: Aufstehen, Gebet, gemeinsame Gymnastik, Deck putzen, Segel kontrollieren, Maschine überprüfen  usw. - usw.". - Puh! - Eine Wettfahrt mit schriftlicher Gebrauchsanweisung! Und über allem thront streng und fast bewegungslos der Kapitän.

Hunger! - Ich will nach unten gehen, um mir etwas zum Essen zu holen. Da dringt die mahnende Stimme des Kapitäns an mein Ohr: "Frederic - vergiss nicht, den Eimer mitzunehmen!" Und pflichtbewusst schnappe ich mir den in der Nähe des Abgangs stehenden Eimer, stelle ihn scheppernd vor der Küchentüre ab. 

"Frederic - eigenartig!" Dann gehe ich in den Gemeinschaftsraum. Dort sitzen Mannschaftsmitglieder zusammen. - Ernst! Ich höre nur ein Thema: "Unsere Wettfahrt! - Wir müssen gewinnen! - Wir werden gewinnen! - Was können wir noch alles tun, um noch sicherer zu gewinnen?" Kraus gezogene Stirnen. Als ich näher trete, schaut einer auf und fragt: "Hast du den Kübel mitgenommen - Frederic?" - "Ja, ich habe!" - Die "San Marco" liegt zwar vorne, aber diese Stimmung drückt auf mein Gemüt.

 

Ich denke mich auf die "Falke".
Eine dunkle Stimme rempelt mich an "He, John, nimm den Kopf runter, der Mastbaum kommt, sonst hast du einen deiner edelsten Körperteile mal gehabt!", begleitet von einem kurzen Lachen. Ich ducke mich. Der Mastbaum schwingt leise quietschend über mir zur anderen Seite. Das Schiff verändert seinen Kurs.

Im Ausguck steht eine Frau mit wehenden Haaren. Sie dreht sich zu mir, zeigt mit dem Finger zum Schwesterschiff und ruft mit heller und lachender Stimme: "Hast du gesehen, John, die sind schlau! Die haben kapiert, was wir vorhaben! - Wir müssen uns was Neues einfallen lassen, um sie ein bisschen an der Nase herumzuführen!" 

"An der Nase herumführen!", das ist ein geflügeltes Wort auf der "Falke" und "was Neues einfallen lassen" ebenfalls.

Harte Seemannsarbeit - und Spaß und Neckerei, sie leben hier einträchtig als Geschwister!
Einer ist auf die Idee gekommen, mit einem Funkmagneten den Kompass des Schwesterschiffes abzulenken, in der Hoffnung, die anderen würden darauf hereinfallen. Gesagt, getan. Alle sind begeistert! - Trencki, eine Funk- und Computerspezialistin vollendet das Werk. - Es geht los! - Wir sind gespannt und warten neugierig auf Reaktionen. - Da, tatsächlich, die San Marco verändert ihren Kurs und beginnt quer zu unserem Kurs zu fahren. Der Kapitän winkte zu uns herüber und tippte sich noch an die Stirne. Herrlich, wie sicher er ist. Schon sind sie am Horizont verschwunden, da beendeten wir das Störmanöver. Nach einer Stunde kommen sie wieder in Sicht, sichtlich wütend - und versuchen den Zeitverlust mit noch mehr Ernst und Hektik wieder auszugleichen. Das schaffen sie dann auch. -

Unser Boss grinst - feuert uns mit einer Handbewegung an, hält dabei aber gleichzeitig klaren Kurs. Wir sind lachend dabei.
"Was stellen wir als nächstes an?" eine geflügelte Frage.  - Das Schiff "Falke" ohne "was anstellen" - wäre ja höchst langweilig - und würde ja überhaupt keinen Spaß machen!

Es macht Spaß! - Auch wenn die eigentliche Fahrt anstrengend ist und jeden bis zu den Grenzen fordert. Doch einem fällt dann immer wieder etwas ein, was zur allgemeinen Erheiterung beiträgt. Nie bösartig - aber zum Lachen! - Wie wohltuend!
So geht es bis zum Ende der Fahrt.
Die anderen machen das Rennen - doch wir - wir sind "zweite Sieger"!

Lachend und schwatzend sitzen wir noch lange in der Hafenkneipe zusammen.

Ich höre mich mit einer etwas heiseren Stimme sagen: "Ein unvergessliches Erlebnis! - Wir haben mit vollem Einsatz unsere Chancen genützt - und gleichzeitig viel Spaß und Freude dabei gehabt. Was wollen wir mehr?"
Und wieder lacht er kurz brüllend auf - unser Capo - reißt die Flasche hoch, nimmt einen kleinen Schluck und gibt sie weiter, begleitet von einem brummigen, zufriedenen Grinsen: "Schön war's!"

 

F-ok
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Mai 06 

 

 

siehe auch:

 Geschichten     Freude     Roter Faden5,8(1-8)   Traum    Wahrheit   Wirkungen

 

 

 

Die Verweise auf einschlägige Texte in ALLTAG bzw. LABYRINTH sind vor allem bei den o.a. Einzeltexten! 

 

 

>ZL

ALLTAG:
 Ziel-Sätze   (Unterbewusstsein, Unehrlichkeit [authentisch?] - SELBST-gestaltende Visionen)  
Meditatives Gehen/Laufen (sich genauer spüren + wichtig nehmen + verbessern + genießen lernen)

 

 

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