Partnerschaft, Beziehung, Ehe, Familie - Schule und Erziehung - Gesundheit, Krankheit, Schmerzen und Krisen - Liebe, Konflikte, Versöhnung und Einigung - Beruf und Freizeit -  Sinn, Suche, Wege und Spiritualitaet 
 

 
[ Inhalt ]         
Zurück ] Home ] Weiter ]          [ Autor ]

 

 

  

  
Schwarz und Weiß 

 Geschichte 

 

 

Anfangs war es schön - und interessant.
Doch - schon nach kurzer Zeit begann es langweilig und fad, nach und nach sogar lästig zu werden: "Immer das gleiche! - Immer die gleichen Kunststückchen! - Nichts zum Dazu-lernen! - Keine neuen Herausforderungen! - Das kann doch wohl nicht alles gewesen sein !?" sagten beide übereinstimmend.

Und so beschlossen sie eines Nachts auszurücken, ihre eigene Freiheit zu suchen, zu entdecken und zu probieren, wie das geht, es zu gestalten und zu leben: "Das muss schön sein, die eigenen Wurzeln wieder mehr zu finden - das Land, die Sonne, den Wind - die Freiheit! - Selbst - und in eigener Zuständigkeit und Verantwortung zu sein!" - sagten sie zueinander.

Und so bereiteten sie nach und nach und ganz vorsichtig alles vor, was sie als notwendig ansahen. Denn - so ganz und nur in die Wildnis wollten sie ja auch nicht gehen.
"Ein bisschen Komfort darf es schon sein!" - meinten sie.

So wurde ein leichter, zweiräderiger, luftbereifter Wagen mit einer Deichsel und zwei Gespannen vorbereitet. -  Beladen mit Proviant, einem großen Zelt für Regentage und wenn's besonders kalt wäre und diversen Leckerbissen für die Wochenenden, denn die wollten sie schon auch weiterhin merken und sich's da auch besonders gut gehen lassen. Na ja - und noch so verschiedenem Schnick-Schnack - was man eben als edles Zirkus-Pferd noch so alles haben muss. 

Dann wurde der Start-Termin festgelegt - und in einer mond- und sternlosen Nacht, mit leicht aufsteigenden Nebeln, ging es dann endlich los.

Alles lief zunächst wie geplant.

Da stehen sie nun - außerhalb der Zirkus-Grenzen, um zu schauen, wo's nun hingehen soll.
Sie schauen sich um, zögern - spüren die Unsicherheit.

Und SCHWARZ, ein Hengst mit klugen, dunklen Augen, schüttelt den Kopf, wiehert leise und deutet fragend nach links.

WEISS, eine eigenwillige und temperamentvolle Stute, tänzelt, nachdem sie sich aus dem Geschirr ausgehängt hat, nach rechts.

Nach längerem Hin und Her setzt sich SCHWARZ in Bewegung. - "Nichts wie weg von hier! Wir müssen in Bewegung kommen. - Sonst werden wir wieder eingefangen und müssen möglicherweise unser ganzes Leben hinter diesen glänzenden Zirkus-Gefängnismauern verbringen." - denkt er sich - und läuft geradeaus auf ein freies Feld und einen dort erkennbaren schmalen, gewundenen Weg zu.

WEISS wiehert zornig, setzt dem Gefährt nach, schnappt eine Leine, die hinten am Wagen herunterhängt - und beginnt sich dagegen zu stemmen.

Allmählich kommt der Wagen zum Stehen.

Zornig beginnen beide aufeinander loszugehen.

WEISS will nach rechts.
"Da ist eine glatte, breite, befestigte Straße!" Da läuft das Wägelchen leicht und schnell! - Da braucht man sich fast nicht anzustrengen. - Und da treffen wir auch immer wieder Menschen, die uns sehen - und bewundern - und Beifall klatschen. - Und - ein bisschen Beifall ist recht angenehm und tut gut!" - keift sie SCHWARZ an.

SCHWARZ erwidert ungeduldig: "Das bedeutet - im Gefängnis bleiben! Denn die breite und bequeme Straße ist in Wirklichkeit eine Fortsetzung des Gefängnisses Zirkus. - Gestern warst du eine Gefangene im Zirkus - heute bleibst du freiwillig eine Gefangene der Straße - und morgen bist du wieder eingefangen und in den Zirkus zurückgebracht - und bekommst dann zur Belohnung auch noch Prügel! - Nein danke!

Lass los! - Deine Flausen - und Eitelkeiten - und Erwartungen - und Bequemlichkeiten.
Wir haben den Ausbruch gewagt um mehr zu werden. - Nämlich zu unserem Glanz und Können die Wurzeln, den Saft und die Kraft unseres Ursprungs dazu-zu-entdecken und dazu-zu-holen!
Mit den alten und bequemen und sicher erscheinenden Gewohnheiten bleiben wir nur in den alten Gefängnissen.

Wir müssen Neues, uns bisher noch Unbekanntes nicht nur wagen, sondern suchen. Auch wenn Angst und Unsicherheit unsere Begleiter sind -
 auch wenn Fehler und Niederlagen uns Kraft kosten werden,
  auch wenn Hindernisse und Schwierigkeiten
    sich uns in den Weg legen, uns aufhalten und zur Umkehr verführen wollen.
Nur so finden wir den Weg in die Freiheit. - Und zusammen schaffen wir es!"

Sagt es - wendet sich um - und beginnt wieder weiter in den gewundenen, schmalen Feldweg hineinzulaufen, auf dem jetzt mehr und mehr auch größere Steine und kleine Felsbrocken herumliegen und das Laufen schwer machen und das Wägelchen arg zum Schwanken bringen.

WEISS schaut, zögert, hüpft dann zornig tanzend auf der Stelle und beginnt dann dem Wagen nachzusetzen. - Fasst mit den Zähnen wieder nach dem Strick an der Wagenrückseite und beginnt sich dagegen zu stemmen.
Sie wiehert zornig und schreit: "Ich will es nicht so schwierig - ich will mich nicht so viel anstrengen! - Ich will es einfach <einfach, glatt, bequem und sicher>! -Ich will mich nicht ständig anstrengen müssen - und achtsam sein müssen - und - und -und-! - Ich will einfach gut mit dir leben - und fertig!"

Und ruckartig reißt sie immer wieder an dem Strick, bis der Wagen schwankend und krachend zum Stehen kommt.

SCHWARZ - zitternd vor Anstrengnung. Schweißtriefend und bebend vor Wut geht er nun auf WEISS los. "Was willst du eigentlich? - Ich dachte, wir wollten gemeinsam unsere Freiheit suchen und gestalten. - Und nun bist du dagegen. - Sinnlos zornig stampfend dagegen. - Schreist - ohne es zu merken - wieder nach deinem Gefängnis. - Dann geh! -
Geh zurück in das Gefängnis deiner Gewohnheiten und Sicherheiten und Bequemlichkeiten. -
Geh! - Und singe weiter im Chor der Feisten und Fetten, die ja alle so gut wissen, dass es nur so richtig ist - und ja nicht anders! -
Geh! - Und sei weiterhin ein anerkanntes, beklatschtes und bewundertest - und innerlich abgestorbenes - Zirkus-Pferd! -
Geh! - Das ist sicher und bequem! - Das willst du doch? -
Oder sollte ich mich irren?"

WEISS ist ruhiger geworden. Mit leicht gesenktem Haupt und zitternden Flanken steht sie da. "Ich will es nicht so schwierig! - Und ich weiß nicht, wo's hingeht! - Und ich weiß nicht, was passieren wird! - Und ich weiß nicht, ob's dann wirklich besser sein wird, wie im Zirkus! - Ich bin so unsicher und ängstlich! - Und eigentlich will ich ja mit dir zusammen - aber ich weiß eben nicht - - - ."

Nach einer ganzen Weile des Schweigens schüttelt SCHWARZ unwillig-freundlich sein Haupt, wiehert versöhnlich und sagt:
"Vertraue auf das Leben - vertraue deinem inneren <Ich bin geführt!> - vertraue deiner Kraft und Fähigkeit - und vertraue auf unser Miteinander und Füreinander!
Das, was wir wollen und wünschen und ersehenen - Freude, Freiheit, Entwicklung, beglückendes Miteinander - es ist bereits auf dem Weg zu uns!
Doch geschenkt wird uns nichts! Und auch gebratene Tauben werden uns nicht ins Maul fliegen. - Gott sei Dank!

Einsatz und Engagement lohnen sich! - Für dich! - Für mich! - Für uns!
Komm doch jetzt mit! - Entscheide dich! - 
Sag  <JA> zu Vertrauen und Zuversicht, zur Freiheit und zu uns!"

"Nun denn!" - kam es zögernd von WEISS - "dann will ich halt mal schauen - es mal versuchen!"

SCHWARZ kehrt in sein Geschirr vor dem Wagen zurück und beginnt sich wieder einzustemmen. -   Langsam setzt sich der Wagen in Bewegung. - Ein leichtes Keuchen ist zu hören.

WEISS läuft nun mit. Hinter dem Wagen - und auch mal seitlich tänzelnd - kritisch schauend - die Nase rümpfend - und denkt: "Na ja - ? - ? - ?"

Schmal, eng und steinig ist der Weg zwischenzeitlich geworden. Ganz langsam nur bewegt sich der Wagen. SCHWARZ keucht und schwitzt. Schweigen ist eingekehrt.

SCHWARZ wird immer kraftloser und auch mutlos, weil es über seine Kräfte geht, den gemeinsamen Karren immer alleine zu ziehen.
WEISS ist enttäuscht, weil sie von SCHWARZ Lob und Anerkennung erwartet, dass sie jetzt mitgeht.

Schließlich bleibt SCHWARZ stehen und sagt: "Ich kann nicht mehr! - Ich kann nicht ständig unser beider Last schleppen!
Ist es unser beider Wagen, dann braucht es auch unser beider Einsatz zum Ziehen!

Bitte - nimm deinen Platz im Geschirr ein - und übernimm deinen Teil!"

WEISS ist ganz erstaunt und entsetzt.

"Aber ich weiß doch nicht, ob ich überhaupt mitgehen will - und wie lange - und ich weiß auch nicht, ob mir das gefällt. - Ich weiß es nicht. - Mal denke ich <ja> - und mal denke ich auch wieder <nein>.
Du siehst - ich habe mich ja schon entschlossen, mitzulaufen - und ich habe nicht mehr dagegen-gezogen. - Ich finde, da tue ich schon eine ganze Menge. - Und ich vermisse deine Anerkennung. - Du siehst scheinbar überhaupt nicht, wie schwer mir das fällt. - Du bist ganz schön bockig und verbissen."
Zornrunzeln zeigen sich auf der Stirne von WEISS - und sie schnaubt nachdrücklich.

SCHWARZ schüttelt müde das Haupt. Dann sagt er leise:  

"Jeder ist zu 100% für das Miteinander verantwortlich! Ich habe deine Schwierigkeiten und deine Not, dich zu diesem Weg zu entschließen, gesehen. Ich habe mein Möglichstes getan - und habe dich bis jetzt entlastet und geschont. - Jetzt kann ich nicht mehr.

Es ist unsere gemeinsame Last und sie braucht uns gemeinsam, um bewegt zu werden. Solange wir eine <gemeinsame Last> auch gemeinsam haben wollen - und gemeinsam auch in eine Richtung gehen und zusammen bleiben wollen, bringe auch du voll deinen Anteil! - Sonst trennen wir die Last auf, jeder übernimmt seinen Teil und geht wie und wohin er eben will.

Bitte entscheide dich!
Willst du nun vorne gleich-verantwortlich mitziehen - oder möchtest du, dass sich unsere Wege trennen?

Es entsteht ein langer Aufenthalt an dieser Stelle - und ein langes Schweigen.

Trotzige Blicke - und liebevolle Blicke, - Sehnsucht - und Ablehnung, Angst und Zittern - und Zuversicht, Vertrauen und Innere Sicherheit - freudvolle innere Theatererlebnisse - und schaurige innere Gruselfilme wechselten sich ab.

Für WEISS ist es einerseits spannend und faszinierend, das zu verfolgen, welcher Wirbel da im eigenen Inneren tobt - aber gleichzeitig auch entmutigend und lähmend.
Bis - nach einigem zermürbendem Treiben in diesen inneren Wirbelstürmen sie zornig erkennt und aufschreit:
"Immer wieder sage ich mir: Ich entscheide für mich - jetzt! - Und ich gestalte hin zu schwingender Freude, so intensiv wie nur irgend möglich. Alleine - und wenn ich will, auch mit anderen zusammen!
In der Wirklichkeit ist das dann doch schwieriger und beängstigender, als zu Hause im warmen Stall.
Ich entscheide mich für uns, für gemeinsam und zusammen in eine Richtung!"

Und damit geht sie lachend nach vorne - und spannte sich in ihr Geschirr ein - wendet sich um und ruft SCHWARZ zu "Komm - müder Gaul - vorwärts - unser gemeinsames Wägelchen will gemeinsam bewegt werden!" 

Von dieser Stunde an beginnt sich der Zauber des MITEINANDER über die beiden zu legen.
Der Weg ist nach wie vor  steinig, eng, teilweise mit tiefen Löchern, dann kommen wieder Durststrecken, wo es kaum Wasser gibt - und doch ist es gemeinsam leicht - und das Lachen zählt die Schweißperlen und Seufzer von Zwischendurch.

Nach und nach veränderte sich die Landschaft - wird freundlicher und heller. Der Weg ist nicht mehr so steinig und voller Löcher - saftige Wiesen zeigen sich mehr und mehr - schattenspendende Bäume - wassertosende Flüsse und Bäche.

Nun werden die Schwierigkeiten andere. Reißende Flüsse wollen durchschwommen, pfadlose Berge erklommen werden. - Alles verändert sich ständig.

Es wird also eigentlich nie leichter - aber die beiden erleben es so, dass sie beide es zusammen immer leichter, schöner und freudevoller bewältigen.
Nach und nach werden sie beide zu Meistern der Neugierde, des Entdeckens und des liebevollen In-Kontakt-tretens und  Miteinander-in-Kontakt-bleibens.
In Resonanz und mit Freude miteinander und aneinander.

 

F-ok
ZL = in der Zentralen Linkliste vorgemerkt 

______________________________________________________________________________________________________________________

April 10 

siehe auch:     Eigen-Kompetenz/-Verantwortung     Einigen     Entscheiden   Freude    Geschichten / Überblick  
                      Gewohnheiten     Miteinander4+5     Roter Faden5(1-8)    Verbinden     Vielfalt

                Die Verweise auf einschlägige Texte in ALLTAG bzw. LABYRINTH sind vor allem bei den o.a. Einzeltexten!

 >ZL            

  

Stand:   siehe Home                [ Inhalt ]             Zurück ] Home ] Weiter ]        

   
 
   |- - - - >  Zu den  Buchstaben ( erste Seite eines Buchstaben )


Vorwort     AA     BB     CC     DD     EE     FF     GG     HH     I I     JJ     KK     LL     MM 

NN     OO     PP-QQ     RR     SS     TT     UU     VV     WW     XY- ZZ

 
 

   |- - - - >  Stichwortverzeichnisse: siehe "Hinweise"  unter "Buchstaben"

    
  
  

  ©  Copyright: Gerhard Salger
email:
  g_salger[ät]alltagalschance.de       internet:  www.abcgs.de  
(So kann die Email-Adresse im Internett nicht mehr automatisch ausgelesen werden.)

Counter