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Vielleicht 

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  •  Vielleicht !? (1)  -  miteinander reden - miteinander streiten?
                                    Ein Geheimnis und ein Geschenk!

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                                                                       Unbekannt

 

 

 Vielleicht !? 1

 miteinander reden - miteinander streiten?

Ein Geheimnis und ein Geschenk!

 

Ich besuchte eine Bekannte im Krankenhaus. Alles war bestens verlaufen und sie sollte am nächsten Tag bereits entlassen werden. Erst plauderten wir eine Weile leise miteinander, doch dann wurde die Aufmerksamkeit vom Nachbarbett und den dortigen Besuchern angezogen.

Die junge Frau dort wurde mit Susanne angesprochen, und war, wie ich vorher schon gehört hatte, an Krebs erkrankt. Einer ihrer Besucher, ein großer, kräftiger Mann mit Vollbart, etwas schütterem Haar mit schon grauen Strähnen darin und einer dunklen, vollen Stimme, stand ihr sichtlich sehr nahe. Vielleicht war es ihr Mann. Sie sprach ihn mit Kläuschen an. Er streichelte und umarmte sie in Abständen immer wieder. Der andere Besucher, er wurde mit Max angesprochen, war scheinbar ein Freund von beiden. 

Recht lautstark hatte sich Susanne über den behandelnden Professor beschwert, wie der mit ihr rede, und was dem eigentlich einfalle, und was sich der eigentlich einbilde.

Da mischte sich Max ein und sagte: "Er kann es doch aber ganz anders gemeint haben, wie du es verstanden und innerlich interpretiert hast - oder?"

Susanne wurde nun heftig: "Wieso denn, ich habe genau verstanden, was er will. Runterputzen will er mich, klein machen, weil  er  der Herr Professor ist! - Was bildet der sich eigentlich ein? - Aber dem werde ich's schon zeigen, dem sage ich noch die Meinung. Mit mir kann er das nicht machen. Ich fürchte mich auch nicht vor einem Herrn Professor!"

Max: "Und was hast du davon, wenn du ihm jetzt deinen Ärger um die Ohren haust?"

Susanne: "Ha - viel! - Das tut mir gut! - Das ist Genugtuung!"

Max: "Und was willst  du  nun eigentlich  für dich  hier im Krankenhaus?"

Susanne: "Ja behandelt werden - ordentlich behandelt werden!"

Max: "So, wie du  meinst, dass ordentlich ist - oder? - Du bist ganz schön überheblich! Mit so einer Patientin möchte ich auch zu tun haben, wenn ich hier Arzt wäre! Dankeschön!"

Susanne: "Soll ich mir vielleicht alles gefallen lassen? - Das tue ich nicht! - Ich bin eine unbequeme Patientin! - Mit mir können sie nicht einfach machen, was sie wollen!"

Max: "Und darauf bildest du dir noch was ein - oder? -  Die Leute tun doch ihre Pflicht - und sie machen es mit Sicherheit so gut, wie sie es eben gerade können.
So, wie du dich verhältst, das ist nicht unbequem, das ist aufsässig.
Was ist denn da der Erfolg? - Du regst dich auf, die Ärzte regen sich auf, ihr beschuldigt euch gegenseitig - und macht es euch noch viel schwerer, als es sowieso schon ist. 

Eine Patientin, die mitdenkt und sich dessen bewusst ist, dass sie immer und überall die Verantwortung für sich selbst hat, die lobe ich mir, aber andere einfach zu beschuldigen und anzuklagen, statt < verbindlich > nach der Meinung und dem Urteil der Ärzte < zu fragen / darum zu bitten>, das finde ich ist dumm und rücksichtslos. Weil du dich selbst und andere nur schädigst!"

Susanne - mit erhobener, hitziger Stimme: "Ich lasse mich von so einem Schnösel nicht angreifen und mit blöden Bemerkungen beleidigen!"

"Stopp!" - sagte jetzt Klaus mit seiner raumgreifenden, tiefen Stimme. Bisher war er nur dabei gesessen und hatte zugehört. "Susanne! - Die ganze Hitze entsteht doch nur dadurch, dass du dich durch Worte und Gesten des Professors angegriffen gefühlt hast -  nicht?"

Susanne: "Natürlich! - Ich lasse mich doch von so einem Schnösel nicht blöd anreden!"

Klaus: "Ich gehe immer davon aus, dass es mir mein Gegenüber gut meint und mich < nicht absichtlich > verletzen oder mir weh tun will.
Es kann natürlich sein, dass mir die Art des anderen trotz allem nicht besonders gefällt, aber jeder hat eben so seine Macken. Meine Art gefällt wahrscheinlich auch nicht immer allen Leuten.
Gerade ein Krankenhaus ist doch nun wirklich ein Ort der Hilfeleistung - sollte es zumindest sein. Ärzte und Pflegepersonal haben es mit Personalnot, Zeitdruck, Überstunden, Notfällen, den verschiedensten Bedürfnissen und jeweils beschränkten Möglichkeiten sowieso schon schwer genug. Empfindlich reagierende, aggressive und unberechenbare Patienten machen es da nur noch schwieriger - für alle!
Dein momentanes Verhalten, Susanne, empfinde ich als recht belastend!"

Susanne: "Du kannst auch gleich gehen - kannst dich mit dem lieben Herrn Professor zusammensetzen und mit ihm Bruderschaft trinken! - Ihr beide passt gut zusammen!"

Klaus: "Das werde ich sicher nicht tun, aber ich möchte meinen Gedanken zu Ende erzählen und dir damit auch ein Geschenk anbieten!"

Susanne: "Ich brauche von dir kein Geschenk!"

Klaus: "Nun - ich gehe also zunächst davon aus, dass mein Gegenüber mir < nicht absichtlich > weh tun will. Wie gut ihm das gelingt, ist eine andere Frage.
Dazu kommt, dass ich weiß, wie leicht und schnell Missverständnisse passieren. Ich höre und interpretiere irgendetwas in die Worte und Gesten meines Gegenübers hinein, eben  Meines.
Wenn ich in der Vergangenheit in solchen kritischen Fällen zurückgefragt habe, haben sich - ohne Ausnahme - alle als Missverständnisse herausgestellt. Erneutes und genaueres Zuhören und weitere interessierte Fragen zu Einzelheiten, haben dann schnell die anders gemeinten Akzenten und teilweise auch die ganz anderen Inhalten verständlich werden lassen.

Doch - der Ärger-Impuls (aus dem Missverständnis) steigt auf - und ist da.

Das Gegenüber anzugreifen und zu verletzen, halte ich für destruktiv und zerstörerisch.
Ich will das nicht machen - und ich wünsche mir, dass auch mit mir das niemand macht!

Selbst wenn, würde ich mich bemühen, zu klären - und versuchen, eben nicht Gleiches mit Gleichem zu vergelten.

Wie also besser damit umgehen? - Diese Frage habe ich mir gestellt.

Auf meiner Suche nach  eigenen  Hilfen, habe ich ein inneres Stopp- und Hinweisschild erfunden.

Immer, wenn ich den Angriffsimpuls spüre, auf einen anderen losgehen, ihn beschuldigen, von ihm fordern oder erwarten zu wollen (du bist .., du hast .., du musst .., du kannst doch .., du - du - du - usw.)  oder auch, wenn ich beginne, mich über jemanden zu ärgern (der kann doch .., das kann ich doch erwarten, das ist schlecht / falsch / gemein / unmöglich, die anderen usw.), dann denke ich an dieses Warnsignal, sehe es innerlich vor mir, dick violett umrandet und mit blinkender roter Schrift:
 


 

Es hilft mir, drei Atemzüge zu machen und mir dabei zu überlegen:

Die momentane Realität ist:

< Vielleicht > hat der andere das wirklich so gemeint, 
                    wie ich das gerade verstanden habe!

< Vielleicht > hat er es aber auch ganz anders gemeint!

Ich entscheide aktuell und  nur  für  mich :

Will ich dieses Ärger-Gefühl nun durch ein < freundliches > Zurückfragen klären - oder ist es, gemessen an dem, worum es eigentlich geht (Hauptanliegen: hier z.B. gute Behandlung und Hilfe zum Gesundwerden), eher nebensächlich, un-wichtig, ja vielleicht sogar beziehungs-schädigend? 

< Was will  ich  für  mich  jetzt  oder  überhaupt ? >

Und nun kann ich < das > sagen und < dafür > besser sorgen, ohne damit das Gegenüber anzugreifen oder < absichtlich > zu verletzen.

Ich teile dieses Geheimnis nun mit euch beiden, mit dir Susanne - und mit dir Max - und schenke euch die Möglichkeit, das auch zu probieren. -  Wenn ihr es wollt!"

 

Plötzlich waren die Stimmen am Nachbarbett wieder zurückgesunken in ein fast nicht mehr verständliches Murmeln.

Beachtlich, dieses < vielleicht >!  Wir beide haben uns das auch gleich gemerkt!

"Für was so eine Krankheit und so ein Krankenhausaufenthalt doch alles gut sein kann!", sagte meine Bekannte. "In und mit der momentanen Realität besser zu leben - in Verbindung und im Gleichgewicht - darum bemühe ich mich! - Jetzt habe ich schon wieder eine neue Möglichkeit dazu-gelernt! - Prima! - Werde ich bei nächster Gelegenheit ausprobieren. Vorher will ich das Stopp- und Hinweisschild aber so einüben, dass es wirklich beim ersten Gedanken daran sofort innerlich da ist. - Ich vermute, dass das ein gute Hilfe ist, gerade in Krisen-Situationen < bewusster > und nicht so kopflos zu handeln!"

Unser Abschied war lachend und herzlich. Wie aus einem Munde sagten wir: 
"Vielleicht - bis morgen!"

 

 

 

 

F-ok
Zt=Zwischentext
ZL = in der Zentralen Linkliste vorgemerkt 

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Juni 09(1), Aug.15(1-Wdh), Aug.16(Bild) 
 

 

siehe auch:

Austauschen(teilen)    Geschenk    Zauber

 

 

 

Die Verweise auf einschlägige Texte in ALLTAG bzw. LABYRINTH sind vor allem bei den o.a. Einzeltexten! 

 

 

>ZL

ALLTAG / Autor (vielfältige Auswahl!)      ALLTAG / Ziel-Sätze  

LABYRINTH / Begegnungen > Bild 19: Vielleicht     LABYRINTH / Vielleicht ginge es auch so (Miteinander/Partnerschaft anders)

 

 

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